Mittwoch, 19. Januar 2011

Westcoast: Gletscher, Regenwald und Meer

Ich weiß, fantasielose Überschrift, aber da bin ich nun mal. Und das bedeutet zum Einen grandiose Landschaften mit Gletschern, Regenwald satt und raues Meer, zum Anderen bedeutet das aber auch eine enorm hohe Regenwahrscheinlichkeit, die all das ziemlich abwerten kann. Und so war es auch in den letzten Tagen. Ich hatte eine gute Reise mit schönem Wetter über Wanaka und den Haast-Pass als ich die Südalpen überquert habe. Von Süden kommend gibt es nur diesen einen Weg zur Westküste, die nur sehr spärlich besiedelt ist (leider ist dementsprechend auch alles ziemlich teuer). Ich konnte also bei schönem Wetter die Landschaft genießen, nachdem ich mich in Wanaka mit Lebensmitteln und Sprit eingedeckt hatte. Nachdem ich eine Nacht am Lake Hawea campiert habe, wo ich wieder mal sehr nette Backpacker getroffen habe, war ich am nächsten Tag in Franz Josef Glacier mit Petra verabredet. Den Ort mit dem gleichnamigen Gletscher wollte ich am gleichen Tag noch erreichen. Genug Zeit zum Sightseeing hatte ich mir aber gelassen. Große Wanderungen wollte ich wegen meinen abheilenden Blasen sowieso nicht machen und die interessanten Sachen waren so oder so in der Umgebung der beiden berühmten Gletscher Fox und Franz Josef (Bilder oben). So kam mir der Ort Franz Josef Glacier als Ausgangsbasis der nächsten Tage sehr gelegen. Zudem wir in einem Cottage, das einem Freund von Petra gehört, umsonst wohnen konnten. Willkommene luxuriöse Abwechslung zum Van für mich. Und nach langer Zeit wieder mal ein normales Bett.
Nach meiner Ankunft in Franz Josef begann noch in der gleichen Nacht der heftige Regen, der die nächsten 4 Tage bis heute morgen anhalten sollte. Durch die starken Regenfälle bedingt mussten Petra und ich leider ziemlich viele Aktivitäten buchstäblich ins Wasser fallen lassen. Zum Beispiel konnten wir nicht den Copland Track laufen, an dessen erster Hütte natürliche heiße Quellen mit Pools auf uns gewartet hätten. Der Fluß, der vorher überquert werden musste, war zu einem schäumenden Monster angeschwollen, das eine Querung unmöglich machte. Auch der berühmte Spiegelsee Lake Matheson, auf dem bei schönem Wetter der Fox Gletscher (Bild vom Tag meiner Ankunft mit noch ein wenig Sonnenschein) gespiegelt wird, war nur eine graue regenverhangene Kulisse. Einen Nachmittag habe ich mich seit langem nocheinmal im Angeln geübt, ohne Glück. Zur Tatenlosigkeit verdammt wurde der Aufenthalt in Franz Josef zu einer depressiven Angelegenheit.
Da die Wettervorhersage keine schnelle Besserung versprach, beschlossen wir unser gemütlich luxuriöses Cottage zu verlassen und weiter zu reisen. Da Petra abweichende Pläne hat, haben sich unsere Wege also gestern wieder getrennt. Und da anscheinend auch noch persönliche Angelegenheiten in den USA warten ist es ungewiss, ob wir den Abel Tasman Track doch noch zusammen machen werden.
Um aber mal wieder etwas optimistischer zu klingen, möchte ich nocheinmal betonen, wie sehr mir der Regenwald mit seinem unglaublich satten Grün gefällt. Etwas weniger Regen wär halt nur schöner gewesen ;)
Jetzt bin ich in Hokitika, der Greenstone- oder Jadehauptstadt Neuseelands. Der von den Maori als Pounamou bezeichnete Stein ist ein traditionelles Material, aus dem in der Vergangenheit Waffen und Werkzeuge, sowie Schmuck hergestellt wurde. Heute gibt es hier eine ganze Industrie, die das Mineral vermarktet, hauptsächlich als Schmuck, der die traditionellen Maorisymbole zeigt. Den kann man natürlich überall in Neuseeland kaufen, aber die größte Auswahl gibt es hier in Hokitika an der Westküste, wo der meiste Greenstone gefunden wird.
Meinem Patenkind Lea habe ich einen Fishhook ausgesucht, in Vertretung von Jan für Marie-Eve etwas Besonderes, das hoffentlich beiden gefällt ;)Strand von Hokitika heute Mittag... und endlich wieder Sonne!

Und bevor ich es vergesse, letzte Nacht habe ich mir weit verbreiteten neuseeländischen Glühwürmchen angesehen. Ja, im Regen, HAHA! Es hat sich aber gelohnt. Es war wunderbar, wer den Film Avatar gesehen hat, kann sich das in etwa so vorstellen. Einfach wunderschön, es gibt wahrscheinlich nur wenige romantischere Schauspiele als das auf der Erde. Wer die Gelegenheit hat, sollte sie also Nutzen. Die biologischen Details und Erklärungen erspare ich euch an dieser Stelle. Ja, auch ich lerne dazu ;)

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