Montag, 25. Oktober 2010

Wellington und meine Ankunft auf der Südinsel, Kaikoura

Ok, hier gehts also weiter. Wir haben also den letzten Tag als Gruppe genossen und am nächsten Morgen den Abschied mit Pfannkuchen mit Karamelsirup, Nutella und Marmelade gefeiert. Dan und ich sind dann weiter Richtung Wellington, um unserem Ziel Südinsel so schnell wie möglich näher zu kommen. Da Dan ein großer "Herr der Ringe"-Fan ist, haben wir so ziemlich jeden Drehort auf dem Weg nach Wellington besucht. Die meisten waren nicht wiederzuerkennen, was Dan ziemlich enttäuschte. Schön wars trotzdem. Auf unserem Weg haben wir anfänglich auf der Desert Road den Tongariro Nationalpark durchquert. Wirklich faszinierende Landschaften mit beeindruckenden Farben und im Hintergrund immer die schneebedeckten Vulkane. Kann die Strecke nur empfehlen. Im Winter ist sie allerdings ziemlich oft gesperrt. So, endlich Ankunft in Wellington. Großstadtflair, Stadtverkehr, viele Menschen, überall kleine Cafès, schöne gemütlich aussehende Wohnhäuser auf den Hügeln rund um die Stadt, das beeindruckende Te Papa Museum. Ich habe mich wirklich sofort in diese Stadt verliebt. Sie ist anders als Auckland, aber kaum zu beschreiben. Natürlich kleiner. Vielleicht deshalb persönlicher. Die Lage ist einfach schön. Die erste Stadt in Neuseeland, in der ich mir vorstellen könnte zu leben. Unser erster Gang war die Touristeninformation, wo wir jede Menge Fragen über die Fährverbindungen, öffentliche Duschen usw gestellt haben. Da am kommenden Wochenende Labour Day war, hatten wir Glück, ein wirklich günstiges Angebot (158$/pp) für die Fähre buchen zu können. Dafür hatten wir aber nur 2 Tage in Wellington. Aber ich komm ja im Sommer wieder, also nicht so schlimm. Wir verabredeten uns mit dem Sohn meines letzten Bosses, der in Wellington lebt, zum Bier. Es war Mittwoch, Studentsnight in Wellington, und wir versprachen uns viel vom Nachtleben. Trent, der Sohn, war wirklich nett, konnte uns aber nicht auf unserer Tour begleiten, trank ein paar Bier mit uns und gab uns ein paar Tips für nette Bars und Clubs. Letztendlich waren Dan und ich etwas enttäuscht, da echt wenig los war. Dies lag leider auch am bevorstehenden langen Wochenende, an dem viele Studenten nachhause fahren. Ok, unter Pech verbucht und abgeharkt. Im nächsten Sommer wirds hoffentlich besser. Wobei die empfohlenen Clubs nicht schlecht waren. Am nächsten Tag sind wir ins Te Papa Museum. Sehr interessant, für mich am beeindruckendsten der konservierte Riesenkalmar. Es wird so ziemlich jede Seite von Neuseeland betrachtet, naturhistorisch und vor allem kulturell. Dies alles in einem beeindruckend modernen neuen Gebäude mit viel viel Technik. Gelungene Austellung. Nach dem Te Papa sind Dan und ich auf die Suche nach dem National Tattoo Museum gegangen. Dan suchte neue Inspiration für ein schönes persönliches Tattoo mit Maorisymbolen. Leider mussten wir feststellen, das es das Museum nicht mehr gibt. Also kein neues Tattoo. Auch nicht für mich, da ich ernsthaft überlegt hatte. Abends sind wir dann von Trent und seiner Schwester Jessica zum Essen eingeladen worden. Das war und ehrlich gesagt zu viel des Guten, da wir vermuteten, das es auch noch ein ziemlich vornehmes Restaurant sein würde. Wir sagten also ab und verabredeten uns stattdessen für einen Drink. Und jetzt kommt der ziemlich geheime Tip: Wir wurden in die Library Bar eingeladen. Kein Schild, kein besonderer Eingang, nur eine Treppe in den ersten Stock eines Gebäudes. Die Tür geht auf und ... wow, sehr nett und gemütlich, stilvoll, sehr gute Loungemusik, guter erster Eindruck also. Sehr nettes und kompetentes Personal brachte uns zum Tisch und bediente uns. Wir bestellten Cocktails und wir wurden von Trent und Jessica genötigt, auch einen der berühmten Nachtische zu bestellen. Als ich die Speisekarte sah, wurde mir allerdings ziemlich unwohl. Das wurde ein ziemlich teurer Abend für Trent! Aber der Cocktail und das Dessert waren der Hammer. Obwohl ich Trent und Jessica vor Wellington nur 5 min auf der Farm getroffen hatte, gaben sie sich enorme Mühe mit uns. Wieder mal ein gutes Beispiel für die netten Kiwis. Fazit: Falls ihr mal in Wellington seid, schaut mal in dieser netten Bar vorbei und werdet ein paar Dollar los. Es lohnt sich. Am nächsten Tag nahmen wir die Fähre nach Picton. Endlich Südinsel. Nach so langer Zeit. Und viel später, als von mir geplant. Blöd ist, das ich jetzt schon weiß, das ich zu wenig Zeit haben werde, um alle Sachen zu machen, die ich mir ursprünglich vorgenommen habe. Ich muss ja auch noch arbeiten. Hm. Zum ersten Abendessen auf der Südinsel haben wir Muscheln gepflückt und gekocht. Überall Meer in Neuseeland, herrlich. Ich werde viel angeln, das ist sicher. Da ich bei meiner Ankunft in Picton schon ziemlich wenig Geld hatte, war mein erstes Ziel, einen Job zu finden. Den Queen Charlotte Treck, den ich eigentlich direkt nach meiner Ankunft machen wollte, musste ich also aufschieben. Auch eine Fußverletzung, die ich mir im Kerosine Creek zugezogen hatte, macht das Laufen zur Zeit nicht zum Vergnügen. Da Picton ziemlich klein ist, malte ich mir die besten Jobchancen in Blenheim aus, das weiter südlich liegt und berühmt für den Weinanbau (vor allem Sauvignon Blanc) ist. Blenheim ist nicht wirklich schön und leider erfuhr ich auch, das die nächsten Saisonjobs erst Anfang November anfangen. Also habe ich mich weiter Dan angeschlossen, der weiter nach Süden wollte. Wir sind die Ostküste bis nach Kaikoura gefahren, wo ich mich jetzt befinde. Auf dem Weg sahen wir unsere ersten Robben und waren schon ganz aufgeregt, machten jede Menge Fotos. Na, wo ist der Seal auf dem Bild?
Inzwischen, nach nur 2 Tagen, ist es ziemlich normal für uns. Überall gibts hier die Robben. Man sieht dauernd welche. Aber toll ist es natürlich immernoch.
Kaikoura ist DER Hotspot für Whalewatching in Neuseeland und ist ebenso berühmt für die großen Vorkommen an riesigen Langusten. Daneben gibt es hier auch Hektordelphine, Schwarzdelphine, Orcas und Pottwale und Albatrosse zu sehen. Da ich meine Walerfahrung schon auf Tonga hatte, machte Dan seinen Whalewatchingtrip gestern alleine. Die Gewässer hier sind wirklich voller Leben. Gerne würde ich hier tauchen, aber Geldmangel und 10°C Wassertemperatur hindern mich daran. Dan und ich angeln hier jeden Tag, mit einigem Erfolg;) Und die Aussicht dabei ist wirklich der Hammer. Schneebedeckte Berge direkt am Meer. Ich mag Kaikoura. Nach der kleinen Wanderung zu den Robben- und Seevogelkolonien werde ich mich auch hier auf Jobsuche begeben. Wünscht mir Glück.

Rotorua, Taupo und Tongariro Alpine Crossing

Ich versuche heute mal zur Gegenwart aufzuschließen. Ist ist einfach so viel passiert in letzter Zeit, in den letzten Tagen. Das Thema Ute wird an dieser Stelle zum letzten Mal erwähnt, und das Kapitel damit endgültig abgeschlossen.
Ich bin zur Zeit in Kaikoura, Südinsel, wo ich nach einem Job suche. Aber um zeitlich diesen Punkt zu erreichen, muss ich wohl ein wenig ausholen. Ich machs mal chronologisch. Nach dem Trip zur Coromandel Peninsula bin ich zunächst ohne Dan nochmal eine Nacht zurück zu Don und Leslie auf die Farm in der Bay of Plenty. Es war schon fast wie nachhause kommen. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen und sofort zum Essen eingeladen. Wir hatten einen sehr schönen Abend mit Wein und guten Gesprächen. Was für nette Menschen, ich werde sie vermissen. Den Komfort der letzten Nacht auf der Farm habe ich natürlich genutzt und meine Kamera, meinen Laptop und mein Handy geladen. An so etwas muss man nämlich als Reisender andauernd denken. Zumindest wenn man in einem Van lebt. Am nächsten Morgen bekam ich noch eine Führung durch den Orchard, den ich nun schon über 3 Wochen nicht gesehen hatte. Unglaublich, wie schnell diese Kiwibäume wachsen! Und der Duft der ersten Blüten ist himmlisch. Dann wurden noch schnell 2 große Plastiktüten mit Orangen, Grapefruits und Zitronen gepflückt, die ich als Vorrat mitbekam. Der Geschmack ist wirklich der Hammer. Habe immernoch ein paar von den Früchten im Van. Nachdem ich die letzte heiße Dusche auf der Farm genossen hatte, wurde ich schließlich verabschiedet. Rusty, der Hund, wollte garnicht von meiner Seite. Den vermisse ich übrigens wirklich sehr.
Und dann ging es zu meiner Verabredung mit Dan, der in Rotorua auf mich wartete. Das Wetter war wirklich bescheiden, so das ich von der Region um Rotorua nicht viel mit bekam. Bevor man die Stadt sieht, kann man sie riechen. Der Gestank nach faulen Eiern ist das ganze Jahr über vorhanden. Man adaptiert sich aber ziemlich schnell.
Bei dem besch... Wetter wollte ich kein Geld in Rotorua lassen. Ich werde ja im Sommer nochmal dort Halt machen und hoffentlich besseres Wetter haben. Brodelnden Schlamm kann man übrigens ganz umsonst im öffentlichen Park bestaunen.
Früher als geplant haben wir dann Freunde von Dan aus Israel getroffen. Ein Pärchen, Ortal und Asaf. Das war für Dan ein ziemlich großes Ding, nach 1 Jahr endlich seine Freunde wieder zu sehen. Für mich bedeutete es ziemlich viel Hebru in der nächsten Zeit, da die beiden sich unserer kleinen Reisegesellschaft anschlossen. Aber auch eine willkommene Abwechslung und Ablenkung in meiner Situation. Die zwei waren wirklich Leute, mit denen man Spaß haben kann.
Zusammen sind wir dann Richtung Taupo gefahren und haben am Kerosine Creek, einem natürlich heißen Fluss mit einem Wasserfall, übernachtet. Da wir im strömenden Regen ankamen, haben wir uns das Baden im Fluss bis zum Morgen aufgehoben. Und dann aber ausgiebig genossen. Mindesten zwei Stunden mit kaltem Bier relaxen und vergessen. Wir hatten echt Spaß, wie man sieht.Entspannt und sauber sind wir dann nach Taupo, wo wir nur eine Nacht am riesigen See Taupo verbracht haben. Wie in der ganzen Zeit mit Ortal und Asaf wurde das Abendessen so richtig zelebriert. Das günstigste Fleisch hier ist übrigens Oxenherz. Zudem richtig lecker. War auch mein erstes Mal. Wird es aber mit Sicherheit öfters geben in Zukunft. Probieren lohnte sich also mal wieder.
Dan hat dann beim Sonnenuntergang sein Didgeridoo aus Indien ausgepackt und Asaf seine Gitarre. Backpackeratmosphäre am Ufer des Lake Taupo beim Sonnenuntergang. Zusammen sind wir dann am frühen Morgen weiter zum Tongariro National Park, wo wir den Tongariro Alpine Crossing, einen Eintagestrack (7h), laufen wollten. Was wir dann auch gemacht haben. Und seht selber, die Bilder sprechen für sich. Es war unglaublich schön! Der beste Track, den ich bisher gelaufen bin. Rauf auf den Vulkan Tongariro, den ihr vielleicht aus "Herr der Ringe" kennt. Der Walk, ca. 1000 Höhenmeter, bis auf 1968m, ungefähr mittelschwer, aber jede Mühe Wert!
Wir haben Schneefelder gequert und Geröllfelder überwunden. In dieser Jahreszeit ist sind die Vulkane noch schneebedeckt, was es noch eindrucksvoller macht, wie ich finde. Beeindruckende Farben und Panoramen. Und wir hatten unglaubliches Glück mit dem Wetter, den ganzen Tag hatten wir keine Wolke am Himmel. Da wir natürlich die Sonneneinstrahlung bei Schnee und Höhe unterschätzt hatten, bekam jeder von uns einen hübschen Sonnenbrand.
Unser Ziel, Tongariro und Ngauruhoe (der Gipfel mit dem Schnee).
Ruapehu (2797 m)
Gipfel des Ngauruhoe (2291 m). Konnte leider nicht bestiegen werden, da die zusätzlichen 3 h leider nicht in unseren Zeitplan passten. Ok, zugegeben, wir waren zu spät aufgebrochen und wir haben getrödelt bzw. zu viele Bilder gemacht;)

Höhenrausch? Auf jeden Fall ein tolles Gefühl.




Oben und Unten: Rand des Red Crater. Name erklärt sich wohl von selber.

Im Hintergrund sieht man den Blue Lake, den größten der Kraterseen, der leider vollständig gefroren war. Die Risse im Eis erzeugten ein ein schönes Muster aus Eisschollen (hier nicht zu sehen). Der See ist so groß, das man am Kraterrand stehend kein Bild vom gesamtem See machen kann.
Mittagspause haben wir an den Emerald Lakes gemacht, die zum Teil oder ganz gefroren waren. Ein Lunch mit wirklich einmaliger Aussicht.
Im Vordergrund seht ihr eines der großen Schneefelder, die wir überqueren mussten. Für die Israelis unter uns war das der absolute Kick, da sie keinen Schnee kennen. Und speziell für Dan wurde so ein Wunsch wahr.
Ein Wahnsinnstag, der leider damit endete, das Dan`s Van einen platten Reifen hatte. Ausgerechnet einen Tag, nachdem er den Reifen neu in Taupo gekauft hatte. Komischer Zufall! Und das ausgerechnet am Wochenende, ohne Werkstatt in der Nähe. Und da uns der Besitzer des Campingplatzes, wo wir die Autos abgestellt hatten, auch keine Dusche verkaufen wollte, blieben wir dann gleich die ganze Nacht. So einen tiefen Schlaf hatte ich schon lange nicht mehr.
Am nächsten Morgen wollten wir aufbrechen und stellten mit Entsetzen fest, das nun auch der Van von Asaf und Ortal einen Platten hatte.
Soviel Zufall kam uns wirklich sehr seltsam vor und wir verdächtigten den Campingplatzbetreiber. Vielleicht ein Antisemit? Meine israelischen Freunde taten mir echt leid. Ok, Ersatzreifen drauf und weiter, bestimmt nicht noch ne Nacht bei dem Typen.
Da Ortal und Asaf Neuseeland leider bald verlassen müssen, war dies unser letzter Tag, den wir versuchten sehr entspannt am Ufer des Lake Taupo zu genießen.
Ok, ich mache hier jetzt Schluss, das Cafe schließt leider. Ich schreibe morgen weiter.

Freitag, 22. Oktober 2010

Coromandel Peninsula
















Ich möchte nicht wirklich über die Zeit auf Coromandel schreiben. Es war, wie man sich eben fühlt, wenn grade 12 Jahre Vergangenheit und meine Zukunftsvorstellungen im Klo runtergespült wurden.
Um euch ein wenig bei Laune zu halten stelle ich aber trotzdem die Bilder online. Im Moment bin ich in Wellington, der wirklich großartigen Hauptstadt, in die ich mich direkt verliebt habe. Tolles Lebensgefühl hier. Nur blöd, das ich hier bei allem immernoch denke, dass das "IHRE" Stadt gewesen wäre. Da bin ich ganz sicher. Ich werde heute Wellington nach 3 Tagen schon wieder verlassen. In 2 h geht meine Fähre nach Picton, Südinsel. Endlich! Werde in den nächsten Tagen noch einen Post schreiben, da ich viel erlebt habe in den letzten Tagen. Ich war in Rotorua, Taupo, habe den Tongariro Alpine Crossing gelaufen und bin schließlich in Wellington gelandet. Es gibt natürlich jede Menge Eindrücke und Bilder. Aber später. Leider reicht die Zeit nicht.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Tonga-Bericht oder "Das Land, in dem dich Kinder zur Begrüßung verabschieden"











Ich habe die letzten Tage meines Albtraums auf der Coromandel Peninsula verbracht, wo ich Dan wieder getroffen habe. Ich wollte und konnte einfach nicht alleine sein! Und Dan ist ja sowas wie ein Freund. Ich bin ziemlich froh, das ich diesen Teil von Neuseeland mit Dan erkundet habe, da ich mir diese berüchtigt romantische Ecke für Ute aufheben wollte, wenn sie denn im Januar wie geplant gekommen wäre. Ich muss sagen, alles, was ich über Coromandel gehört habe, war richtig! Es ist wirklich der schönste Ort, an dem ich bisher war in Neuseeland. Es war überwältigend. So viele beeindruckende Perspektiven und traumhaft romantische Strände habe ich noch nie gesehen. Leider war es genau deshalb auch besonders quälend für mich. Stellt euch Kotzen und Lachen zugleich vor...oder laßt es einfach bleiben!
Um wenigstens in meiner Erinnerung die lachende Seite wiedererleben zu können, habe ich natürlich viele Bilder gemacht. Und damit ihr euch ungefähr einen Eindruck machen könnt, wie beeindruckend schön Coromandel war, hier ein Zahlenvergleich: Ich habe in den letzten 4 Tagen 390 Fotos gemacht, in meiner Zeit auf Tonga (17 wundervolle Tage in meiner noch heilen Welt) dagegen nur 363!
Ihr werdet deshalb verständnis haben, wenn ich da etwas Zeit brauche, um die Schönsten davon auszuwählen und online zu stellen. Und da die meisten von euch bestimmt nicht an meinem Gefühlsleben und meiner Tragödie interessiert sind und sowieso nur die Bilder sehen wollen, werde ich auch nichts über meine Erlebnisse in den letzten Tagen schreiben. Zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt.
Da ich von Tonga relativ emotionslos berichten kann, werde ich es also mit einem nachholenden Bericht versuchen, den ich allerdings kurz fasse, da 17 Tage eine lange Zeit sind. Auch auf einer Insel, wo man nicht viel mehr machen kann, als relaxen (faul abhängen), schnorcheln, tauchen, whalewatching und ein wenig rumlaufen. Ach ja, hatte ich das relaxen schon erwähnt?
Zunächst bin ich mit einer normalen Passagiermaschine nach Tongatapu geflogen, der Hauptinsel und Sitz des Königs von Tonga. Ohne langen Aufenthalt bin ich mit einer kleinen Propellermaschine weiter nach Ha`apai geflogen, eine der 3 großen Inselgruppen von Tonga. Nach meiner Ankunft wollte ich direkt mal Geld sparen und habe ein paar Tonganer nach einer Mitfahrgelegenheit gefragt. Kein Problem, auf die Ladefläche eines kleinen LKWs gesprungen und los Richtung Pangai, dem Hauptort auf Lifuka, der Hauptinsel der Ha`apai Gruppe. Hier wollte ich in den nächsten Tagen leben. Zunächst einmal mußte ich feststellen, das alle Preisangaben, was die Unterkunft anging, nicht mehr korrekt waren. Genauer, es war natürlich teurer. Noch genauer, fast doppelt soviel, wie ich kalkuliert hatte. Und der Standard war echt grottig. Mehr low budget geht kaum. Geht aber doch, wie ich später von anderen Reisenden erfahren habe. Übrigens sind mir direkt zwei wirklich nette deutsche Mädels in meinem Guesthouse begegnet, die auf den tonganischen Inseln als Zahnarzt-Volunteers gearbeitet haben. Die konnten auch Horrorgeschichten erzählen... Zusammen sind wir dann auch zu einem empfohlenen Strand, der wunderbar zum schnorcheln geeignet war, gefahren. Dafür haben wir uns ein wirklich teures Taxi geteilt, was natürlich auch nicht in meinem ursprünglichen Budget enthalten war. Wie sich später herausstellte, blieb außer dem Taxi oder dem Mieten eines Fahrrads nichts übrig. Bis auf das Laufen natürlich, was ich die meiste Zeit auch tat. Und ich kann sagen, es war verdammt heiß beim Laufen. Ich will aber nicht meckern, dafür bin ich ja nach Tonga gekommen. Im übrigen habe ich auch noch nie eine so starke Sonneneinstrahlung gespürt wie in Tonga. Zu Fuß habe ich dann auch den Ort erkundet, nachdem ich ein paar Informationen eingeholt hatte. Es gibt genau ein Cafe bzw Bar. Und ein Restaurant, wo man genau zwei Dinge bestellen konnte: Kentucky (fried chicken) mit Maniok und Mixed BBQ mit Maniok, das allerdings immer ab 4 h ausverkauft war.Dafür war es sehr günstig. War aber nur einmal dort, wollte ja sparen.
Dann gab es 3 Geschäfte, alle in chinesischer Hand, die auch alle das gleiche verkauften. Unter anderem gab es auch genau eine Sorte Brot vom einheimischen Bäcker zu kaufen, der übrigens sehr stolz auf seine deutschen Vorfahren ist, die es irgendwann einmal gegeben haben muss. Sehen konnte man es nicht.
Dann gab es einen kleinen Markt mit frischen einheimischen Früchten (Papaya, Mandarinen, Bananen, Grapefruit) und Gemüsen. Natürlich auch Maniok und Yams, die beiden Grundnahrungsmittel. Die Bananen waren winzig aber lecker und die Papayas waren die besten meines zur Zeit gescheiterten Lebens. Unglaublich süß und aromatisch. Maniok und Yams schmeckt übrigens nach Nichts, ähnlich Kartoffeln, sehr trocken. Habe natürlich alle Sachen ausprobiert. Brotfruchtchips kann ich eigentlich weiter empfehlen. Aber auch wie Kartoffeln. Ach ja, die Tonganer essen übrigens sehr gerne und seeeehr viel, was man auch sieht. Und hier ist mal eine Verallgemeinerung angebracht! Ich habe noch nie so viele Zusatzgurte im Flugzeug ausgeben gesehen. Aber dafür teilen die Tonganer auch gerne und oft, was ich auch genießen durfte. Unter anderem bekam ich auch einen ganzen Hummer und Fisch geschenkt.
Beim Erkunden der Insel grüßten die Menschen sehr oft und waren freundlich. Was mir zuerst sehr komisch auffiehl, war die Begrüßung von Kindern mit dem Wort "Bye!" Keine Einzelfälle. Ursache soll die fehlende Praxis sein, da sie ja Englisch in der Schule lernen. Manchmal wurde ich allerdings den Verdacht nicht los, das einige sehr genau wußten, was sie da eigentlich sagen.
Nochmal zurück zum Essen. Sie essen nicht nur viel, nein, sie essen neben ihren zahlreichen Schweinen, die überall frei herumlaufen, auch ihre Hunde, die ebenfalls überall sind. Und Pferde, was uns Deutsch aber ja nicht schocken sollte. Danaben gibt es zahlreiche Hühner, deren männliche Vertreter ich hassen gelernt habe. Jeden Morgen um 3.45h oder 4.15h fing das krähen an. Und wirklich überall! Ich hasse nur eine Sache/Person zur Zeit mehr. Hähne sind furchtbar, zuviel Testosteron, die können sich anscheinend nicht beherrschen! Da fallen mir grade Gemeinsamkeiten mit jemandem auf;)
Wir bleiben noch beim Essen. Denn leider speeren die Tonganer so ziemlich alles, was ihnen unter Wasser begegnet, auch die Schildkröten. Gerechtfertigt wird dies mit dem Hinweis, das Gott ja alles dem Menschen zum Nutzen gegeben hat! Bitte, lass jemand Atheismus unter diesen Menschen verbreiten!! Der Tonganer ist nähmlich sehr religiös. Und wieder ist eine verallgemeinerung gerechtfertigt. Es gibt 9 verschiedene Kirchen auf Tonga, dazu Moslems und Zeugen Jehovas. Bevor ich mich mit Details verausgabe, nur soviel, die Religionsgemeinschaften saugen meiner Meinung nach den Leuten das Geld aus der Tasche. Wobei ihnen allein eine schöne Kirche reicht. Und ihre kirchlichen Schulen. Diese Gebäude, die Kirchlichen, sind wirklich die einzig schönen modernen Gebäude. Die Menschen sind entweder sehr arm, zu arm, oder legen keinen Wert auf moderne Eigenheimer. So sieht man hauptsächlich Wellblechhütten und sehr einfache Holzhäuser. Der Rasen vor jedem Haus ist allerdings immer gemäht, so ärmlich und dreckig es teilweise aussieht, dies scheint eine wichtige Tugend zu sein. Vielleicht waren das ja die deutschen Vorfahren des Bäckers schuld?!
Nun zum Wesentlichen, zum Tauchen, Schnorcheln und Whalewatching. Um es sehr kurz zu fassen, ich bin um 5 Uhr morgens sehr müde, es war einfach fantastisch!!! Ich habe wirklich gesunde Riffe mit einer unglaublichen Diversität an Korallen gesehen. Und dementsprechend natürlich auch andere Riffbewohner. Darunter diverse Nudibranchia (Objekte meines Studiums), Weißspitzenriffhaie, Adlerrochen, Stachelrochen, Muränen, Seepferdchen, beeindruckende Seeschlangen, riesige Kugelfische und Fledermausfische, und ich hatte das Glück eine Schildkröte zu sehen. Den Anker des von den Ureinwohnern vor 200 Jahren versekten Piratenschiffes Port-au-Prince. Ich war in Höhlen tauchen und sah wundervolle Korallenlandschaften. Und dazu manchmal, wenn ich den Atem kurz angehalten habe, konnte ich die Buckelwale singen hören. Es war unglaublich, ich werde es nie vergessen!
Das Whalewatchingwar sehr spannend. Zuerst haben wir eine Herde von Delfinen gesehen und später dann die ersten Wale. Immer Mutter mit Kalb, wobei das Kalb von Weitem durch die Luftsprünge zu sehen war. Da der Besitzer der Tauchbasis, Brian, Meeresbiologe ist und entsprechende Regeln für das schnorcheln mit Walen aufgestellt hat, hatte ich nach den ersten Anläufen auch kein schlechtes Gewissen. Immer nur 4 Personen ins Wasser und nie die Wale verfolgen. Immer ruhig bleiben, nicht mit den Armen rudern, nicht zu nahe kommen, nicht anfassen, und sehr wichtig: nie zwischen Mutter und Kalb kommen. Diese gewaltigen Tiere unter Wasser zu erleben ist wirklich etwas ganz besonderes. Man kann es wirklich nicht beschreiben.

Abschließend kann ich noch schreiben, das 17 Tage definitiv zu viel waren. Ich würde jedem empfehen, 10 Tage einzuplanen, an denen man alles machen kann.
Verabschiedet wurde ich in Tonga übrigens von echt heftigem Regen und Sturm. Als ob ich hätte ahnen sollen, was mich in der Nacht nach meiner Rückkehr erwartet.
Und ganz nebenbei: Ich darf mich jetzt Diplombiologe nennen! Nach nur 5 oder 6 Monaten Warten, wer nimmt das schon so genau, habe ich endlich mein Zeugnis und die Noten bekommen. Ihr dürft mir gratulieren. Den Schnitt darf ich ja nicht sagen, sonst wirft mir jeder vor, ein Angeber zu sein. Aber besser gehts kaum! Freuen kann ich mich in meiner Situation allerdings kaum.
Ich hoffe, ihr habt mich nicht aufgegeben. Demnächst Bilder von Coromandel. Denkt mal an mich, ist ziemlich einsam grad um mich.