
Wie ihr seht, habe ich den Job im Outback wie geplant durch ziehen können. Erwartet haben wir vier deutschen Backpacker eine Farm in der Nähe von Beacon (die Stadt erinnert einen an den Film Zombieland), einem kleinen Kaff (hier Stadt genannt) mitten im Outback. Verabredet waren wir Montag morgens am Postamt, das gleichzeitig der einzige Shop ist. Nachdem wir in der Nacht zum Montag im Zelt und Auto am "Stadtrand" übernachtet hatten, trafen wir also Ruth, unseren Kontakt, der uns abholen sollte. Mit dabei Bradley, ihr 19 jähriger liebenswürdiger Enkel mit Down Syndrom, der uns direkt mit "Hey dude, you are cool!" begrüßte, was wir die folgende Woche noch unzählige Male hören würden. Nachdem erstmal ein riesiger Einkauf für über 600$ in dem kleinen Store gemacht wurde, alles Nahrungsmittel für die nächsten paar Tage, ging es dann los. Wir bekamen nur gesagt, bitte folgen bis wir da sind und es wären noch ca. 60 km.

Bei der Ankunft stellte sich heraus, das "da" keine Farm im Outback war, sondern ein Arbeitscamp im Outback, weit ab von jeglicher Behausung. Unsere Unterkunft für die nächsten Tage war dieser Kontainer, wobei ich das fragwürdige Glück hatte, zusammen mit Chris und Jessie, die ich später noch erwähnen werde, in einem verranzten kleinen Wohnwagen zu schlafen. Immerhin gab es einen Dieselgenerator und damit begrenzt (bis 9.30pm) Strom. Handyempfang natürlich Fehlanzeige, aber damit hatten wir gerechnet.

Neben diesem Container und dem kleinen Wohnwagen gab es noch einen großen Wohnwagen, in dem Mark mit seinem Sohn Bradley schlief, und einen großen zum Wohnmobil umgebauten modernen Bus, in dem unser Boss Porky und seine Frau Ruth wohnten. Natürlich gab es noch mehr Fahrzeuge, große Maschinen und Equipment, die letztendlich das Camp bildeten.

Das Bild zeigt einen unserer typischen Feierabende. Aufgestanden wurde übrigens mit Sonnenaufgang, ca. 6am, wenn unser Boss den Generator startete, und gearbeitet wurde bis 5.30pm. Das alles bei bis zu 35°C am Nachmittag, ohne Schatten, in einer ziemlich monotonen Landschaft, die aber durchaus ihren Reiz hatte. Gleich am ersten Tag wurden wir von einem Gewitter überrascht, was uns sintflutartigen Regen bescherte und das Arbeiten unmöglich machte. Die verbleibenden Stunden bis zum Feierabend wurden allerdings bezahlt, was uns sehr gewundert hat. Zugleich wurden wir darauf hingewiesen, das wir neben dem Gewitter auch echt Glück hatten, das es die Woche recht Kühl sein sollte mit den 35°C. Die letzten Wochen waren es wohl täglich über 40°C! Fällt einem trotzdem schwer, über 35°C im Schatten froh zu sein.

Wie sah eigentlich unser Job aus? Unter Fencing kann sich ja jeder was anderes vorstellen. Der ganze Auftrag betraf die Verbesserung des Dogfence. Die Regierung bezahlt im Grunde die Instandhaltung eines Zaunes für den Schutz der kultivierten Landschaften vor Wildhunden, den bekannten Dingos. Dieser Dogfence ist zum Teil weit über 100Jahre alt und allzu durchlässig für Dingos geworden. Früher sollte er auch mal Kaninchen abhalten, was aber aufgegeben wurde. Wir sollten nun an den alten Zaun einen Untergrabungsschutz aus Draht anbringen. Ich ergebe mich hier nicht Details, die keinen interessieren. Nur soviel dazu, ich hatte auch ein wenig Spaß mit meinen Arbeitsgeräten, einer 125er Crossmaschine, mit der die Zäune abgefahren und kontrolliert wurden, und zwei Quads.


Die Richtige Arbeit war natürlich schweißtreibend anstrengend und weniger Spaß fördernd, wie ihr euch vorstellen könnt.


An den Feierabenden wurde man fast jeden Tag mit den schönen Farben der Sonnenuntergänge des Outbacks verwöhnt, auf die dann der unvergleichliche Sternenhimmel in der Nacht folgt. Einfach fantastisch, diese Eindrücke.
Im Camp war übrigens stricktes Alkoholverbot, so das wir uns die Abende mit Gesprächen und "How I met your mother" Episoden vertrieben. Das Essen war übrigens das Beste, was ich in den letzten Monaten an 6 Tagen in Folge bekommen habe. Schon bewundernswert, was Ruth so in ihrem Bus zaubern konnte. Nur die Gespräche und der Umgangston waren zunächst sehr gewöhnungsbedurftig, zumindest was das Niveau angeht. Ich bin ja schon einiges von diversen Jobs am Bau gewöhnt, aber hier wurde alles getoppt. Natürlich bildeten wir Backpacker da eine Ausnahme, soweit dies möglich war;-)
Unser Boss Porky war ganz zufrieden mit uns Backpackern, nur Jessie, ein 17jähriges Großmaul, der außer Schimpfwörtern und furzen nichts draufhatte, und Chris, der etwas verpeilte 19jährige Stiefenkel von Porky und Mark´s Sohn, brachten ihn ständig auf die Palme. Jeden Tag wurde etwas an Gerät beschädigt und die Faulheit der beiden war unbeschreiblich. Da wir mit den beiden in Teams zusammenarbeiteten, machte das uns einige Sorgen. Wir wundern uns dann doch, wenn bei solcher Arbeitsmoral noch große Boni gezahlt werden. Aber so ist das dann in Australien halt. Übrigens ist hier in Australien Eigeninitiative im Berufsleben eindeutig unerwünscht! Das untergräbt nämlich die Autorität des Bosses. Ja, genau! Wenn dann mal die Arbeit ausgeht, dann macht man halt Pause und wartet, was als nächstes kommt. So wurden zum Teil Stunden verbracht, weil die Arbeitsabläufe nicht abgestimmt ware, oder aber Chris und Jessie wieder mal keinen Bock hatten. Für mich und die anderen teilweise eine nur schwer nachvollziehbare Arbeitsmoral. Wir hatten außerdem auch immer Schiß vorm Boss, aber der fand das wohl mehr oder weniger normal. Komisch, die Aussies! Aber an Geld scheint es hier wohl nicht zu mangeln.

Nebenbei habe ich auch mit dem australischen Wildlife Bekanntschaft machen können. Diese
Witchetty-Made soll essbar sein, was ich mir aber dank guter Verpflegung erspart habe. Außerdem war diese hier schon ziemlich groß. Aber sehr interessant. Auch andere wirbellose Tiere gabs zuhauf, zumeist hochgiftige allerdings, wie die Wolfsspinne, Redback-Spinne oder Banana-Spinne. Netter anzusehen waren wohl die Reptilien in den nächsten Bildern. Leider konnten wir nur einige der kleinen fangen, die sind verflucht schnell.
@Peter: Falls du das liest, kannst mir ja spontan mal einen Beweis deines umfangreichen Wissens liefern und mir die Namen verraten.



Nachdem wir unseren Auftrag abgeschlossen hatten, haben wir das Camp abgebrochen und sind zurück nach Beacon gefahren. Da ich glücklicherweise einen der alten Führerscheine habe, konnte ich sogar einen der Trucks mit Anhänger fahren. Die ganze Karavane war echt stattlich anzusehen, und das auf über 130 km Strecke nach Beacon.
In Beacon sind wir übrigens noch immer. Porky hat uns in einem seiner Häuser einquartiert, ganz für umsonst, da wir ihm in zwei Tagen nochmal helfen sollen, die Trucks für das nächste Projekt zu beladen. Ein Tag mehr Arbeit, mehr Geld, da sagen wir nicht nein. Zumal auch die Verpflegung bis dahin inclusive ist. Und wie es sich so anhört, könnten in der Umgebung noch mehr Jobs warten. Das wird sich wohl in den nächsten zwei Tagen herausstellen. Wir werden sehen.
Übrigens, Handyempfang gibt es hier immernoch nicht, deshalb wundert euch nicht, das ich mich nicht melde. Ich bin schon ganz begeistert, das ich Internet habe, was sich aber auch schnell in Abhängigkeit vom nächsten Job ändern kann.
Hoffentlich war der Job nur ein guter Anfang. Wünscht mir Glück, das es weitergeht mit dem Geldverdienen.
PS: Die Erfahrung hier im Outback zu arbeiten, fand ich übrigens super! Das ist also Australien, oh sorry, Western Australia!