Ok, aus dem "Morgen gehts weiter" ist ja nichts geworden. Dafür kann ich aber mit einem lachenden und einem weinenden Auge meine Rückkehr verkünden. Am 13. Juli werde ich meine Füße auf deutschen Boden setzen.
Sehr zum Leidwesen meines Chefs Pete, der bis zum Schluss versucht hat und es eigentlich immernoch versucht mich zu überreden, doch zurück zu kommen, um weiter für ihn zu arbeiten. Ein Jobangebot hat er mir bis Oktober gemacht. Sogar die Flüge für einen Urlaub in Thailand wollte er mir bezahlen, falls ich zurück komme. Scheint also, als hätte ich mich nicht ganz so dumm angestellt. Vielleicht hätte ich nicht studieren sollen und direkt Schweißer oder Schlosser lernen sollen, die hauptsächlichen Arbeiten in seiner Werkstatt. Das große Giftspritzen ist nämlich erstmal vorbei. Damit natürlich auch das große Geldverdienen, obwohl ich hier mit 800$/Woche sicherlich mehr verdiene, als ich in Deutschland mit jedem besch... Nebenjob verdienen werde, den ich in den nächsten Monaten machen werde. Habe ja gelesen, die ökonomische Situation in Deutschland soll so gut sein zur Zeit. Mal gespannt, wie sich das auf mich und meine Suche nach einer Dr-Arbeit auswirkt. Zurück nach Australien ins hier und jetzt. Also, Seeding ist vorbei und damit auch das Pre-Emergent Spraying, der Job, der mir so viel Geld eingebracht hat. Wenn ihr jetzt denkt, ah, das wars dann ja mit dem Gift bis zur Ernte, habt ihr falsch gedacht. Hier ein wenig Aufklärungsarbeit. Also, beim Pre-Emergent Spraying werden die großen Universalkeulen eingesetzt, hauptsächlich Roundup und Treflan (in Deutschland verboten), die anderen Gifte erspare ich euch an dieser Stelle. Das alles erfolgt wenige Stunden vor der Einsaat und tötet alles, was dort wächst und Blätter hat (Roundup ist ein Kontaktgift) und stoppt das Auskeimen von Unkräutern (Treflan). Die Konzentrationen der Gifte werden vom Farmer vorgegeben, der mal mehr oder weniger Ahnung hat (leider). Da zunehmend Resistenzen der Unkräuter entstehen, wird die Konzentration zunehmend erhöht. Soweit alles klar. Die Hauptfeinde der Farmer und besten Freunde meines Bosses sind wilde Roggengräser, wilde Melonen, wilder Rettich und Senf.
Da man ja nicht alles kleinbekommt und die Farmer durch die imense Größe ihrer Farmen nicht in der Lage sind, alles zeitgleich zu bearbeiten, kann auch nicht alles zum perfekten Zeitpunkt bearbeitet werden. So wird also ziemlich bald die zweite Ladung Gift fällig, das Post-Emergent Spraying, bei dem allerdings eher spezifische Gifte eingesetzt werden, um alles abzutöten, was überlebt hat und kein Weizen, Hafer oder Gerste ist. Je nach Feldfrucht werden natürlich andere Gifte verwendet, so werden hier zB auch Lupinen und Raps angebaut.
Ich will jetzt nicht zu detailiert werden, aber ist gibt noch das Sommerspraying und Topping. Bei letzterem wird vorbeugend alles auf den brachliegenden Äckern gekillt, damit dort auch keine Nährstoffe an Unkräuter verschwendet werden. Man sprüht also auch dort, wo nichts angebaut wird.
Das alles ist so ziemlich normal und macht fast jeder Bauer, auch in Deutschland, wie mir bei Nachfrage versichert wurde. Ich finde, das ist mal ganz nett zu wissen, für diejenigen, die nicht naive durch die Welt laufen möchten.
Das Arbeiten in der Werkstatt hat mir echt Spaß bereitet, ich mag es zB sehr zu schweißen. Wenn man meinem Boss glauben kann, habe ich sogar ein Talent dafür. Und so hat er mir angeboten, das ich auch nach meiner Rückkehr nach Deutschland im Falle einer Meinungsänderung zurück kommen und für ihn arbeiten kann. Finde ich sehr nett. Ich mag Pete und seine Familie sehr und sie mögen auch mich. Ich möchte nicht, das hier ein falsches Bild entsteht, das man die Leute hier für zurückgeblieben hält oder für dumm. Ich habe durchaus sehr weltoffene Farmer getroffen, die viel gereist sind und durchaus eine kritische Meinung haben. So auch mein Boss Pete, den ich für einen sehr intelligenten Menschen halte. Gestern haben wir zB ein großes Picnic im Busch gemacht, mit großem Feuer und grillen. Zusammen mit der ganzen Kindermeute und den Vätern, darunter mein Boss Pete, sind wir nach dem Essen in den Busch gezogen und haben Sandelholzbäume gesucht. Und auch gefunden. Nach Wochen, in denen ich nur Felder gesehen habe, war es echt eine Wohltat nochmal in einem richtigen Wald zu sein. Und Andrew, einer der Väter und Farmer, hatte ein recht umfangreiches Wissen über die heimische Natur. Letztendlich hatte ich einen wundervollen Tag mit Familienidylle und Natur, Bier und gegrilltem Fleisch. Was will man mehr. Entschädigt doch für so einiges.
Pete spricht übrigens oft davon, noch mit mir an die Küste zu fahren zu wollen und fischen zu gehen. Zusammen mit seinem Bruder und seinem Boot. Hoffentlich klappt das noch, denn in zwei Wochen bin ich ja schon weg. Und zwar nach Thailand. Es geht für 3 Wochen nach Thailand. Zuerstmal möchte ich erholt und entspannt in Deutschland ankommen und habe mir glaube ich einen kleinen Trip in Thailand verdient. Und wenn ich schon nicht in Australien tauchen kann, möchte ich doch die Gelegenheit in Thailand nutzen. Dort erwartet mich übrigens die Regenzeit mit 40°C, was im Moment so ziemlich das Gegenteil von Western Australia ist. Hier ist es nämlich echt kalt. Womit ich nicht gerechnet habe. Wer bringt schon Australien mit kalt in Verbindung? Und so hatte ich die meisten meiner warmen Sachen damals von Neuseeland nach Deutschland geschickt. Das rächt sich jetzt ein wenig. Aber in zwei Wochen bin ich ja in der Hitze Thailands. So lange wirds noch gehen. Das Wetter in Deutschland ist ja auch ganz ok, wie ich vernehme. Aber bevor ich mich am Wetter auslasse...
Ihr lest wieder von mir.