Donnerstag, 29. Juli 2010

Betty hatte Durchfall

Hm, was gibts neues? Eigentlich bin ich ganz zufrieden zurzeit. Habe nach wie vor den Job auf der Kiwi-Farm. Über die Arbeit kann ich auch nicht wirklich meckern, einziger Nachteil sind die morgendlichen Temperaturen. Da spürt man von 7.30 (Anfang) bis ca. 10 Uhr seine Finger entweder garnicht oder es tut ziemlich weh (am Anfang). Ok, danke für euer Mitleid, das ist jetzt genug Gejammer!
Zufrieden bin ich, weil die Bezahlung relativ gut ist und der Farmer Don echt ein netter Kerl ist, der mir zugesichert hat, das ich bis September bei ihm arbeiten kann. Damit kann man dann anfangen, Pläne zu machen, wie man das ganze Geld wieder los wird. Außerdem ist die Zusammenarbeit mit Dan, einem israelischen Elitesoldaten und Bartender, und dem Maori John sehr interessant. Einer der Vorteile des Backpackerlebens: man lernt ständig neue interessante Leute kennen. Und von Dan habe ich schon zeimlich viele neue Sachen erfahren, zB über das Leben mit/im Krieg, das Militär, das Judentum und seinen Aufenthalt in Indien und auf den Andamanen. Teilweise unglaubliche Sachen, die dann wie der Cannabis-Anbau im Parvati Valley in Nordindien mit Bildern belegt wurden. Würde jetzt aber zu weit führen. A propos Cannabis: Dan und ich sind uns einig, in Neuseeland kiffen geschätzte 90% der Maori und 70% der Kiwis! Und damit schliesse ich ausdrücklich jede Altersgruppe bis auf Kleinkinder ein. Gras gibts hier sozusagen an jeder Ecke. Onkel, Opa und der Bruder bauen das halt im Garten selber an. Seehr fruchtbares Land hier. Damit jetzt kein falsches Bild entsteht, die Leute gehen hier viel relaxter mit dem Thema Cannabis um. So sprechen auch Nichtkonsumenten ganz locker darüber und tollerien das anstandslos. Schlimm findet das hier keiner, mit dem ich bisher gesprochen habe.
Sehr angenehme Leute, diese Neuseeländer. Die nettesten Menschen, die ich bisher so kennengelernt habe. Neben meinen guten Erfahrungen stimmen eigentlich alle Backpacker, die ja selbst aus unterschiedlichsten Ländern stammen und zum Teil schon viel gereist sind, diesem Gesamteindruck zu.
Übrigens habe ich nächste Woche Mittwoch meinen ersten freien Tag. Danach gibt es bestimmt wieder ein paar Bilder zu bewundern. Genaue Pläne stehen noch nicht für diesen Tag. Angeln steht aber ganz vorne auf der Liste der Sachen, die ich hier nochmal machen möchte. Außerdem ist Mt. Maunganui nahe, so das der Vormittag theoretisch mit Angeln und der Nachmittag mit Surfen verbracht werden könnte. Mache das aber alles kurzfristig mit Dan ab, mit dem ich zusammen losziehen werde.
Und da fällt mir doch noch eine Neuigkeit ein. Betty hatte Durchfall! Hm, hatte mir schon richtig Sorgen gemacht, das es was Ernstes sein könnte, da sich das Problem nicht von alleine löste. Diese Gräusche wurden immer unangenehmer, und dann die schwarze Wolke, die mit einem Benzingeruch verbunden war. Und dann die Aussetzer beim Gasgeben. Also ab in die Werkstatt zum Tune-up. Meine Hoffnung, das nur neue Zündkerzen und ein neuer Luftfilter erforderlich waren, haben sich dann aber als richtig herausgestellt. Ich kann euch sagen, mir war nach feiern zu Mute. Die Betty schnurrt wieder wie ein Kätzchen. Und das Geld hole ich mit meinem geringeren Spritverbrauch auch wieder rein.
Das einzige was bleibt, wünscht mir gutes Wetter für die Arbeit! Kalt und nass mag ich garnicht, war aber auch erst 1 Tag so richtig fies. Sonst konnte ich fast jeden Tag ab Mittag mit T-Shirt und Sonnenbrille arbeiten. Insofern habe ich ziemliches Glück, auch wenn es in einigen Nächten Frost bedeutet.

Mittwoch, 21. Juli 2010

Kleine Zusammenfassung


Da mein letzter Post ja schon etwas länger her ist, habe ich dementsprechend etwas mehr zu berichten. Da dies aber ein Blog ist und kein Roman, versuche ich mich kurz zu fassen;)
Also zunächst einmal möchte ich meinen Freunden Christina und Markus sehr herzlich zur Hochzeit gratulieren! Klingt etwas abgedroschen, aber ich wünsche euch alles erdenklich Gute im Doppelpack. Wäre natürlich gerne dabei gewesen, aber mein Geldbeutel war dagegen. Kompliment an euch beide, ihr seht toll aus auf den Fotos.
Ok, zurück nach Neuseeland und zu mir. Ich starte in Raglan. Nachdem ich 3 Tage die Gastfreundschaft von Pat genossen hatte, bin ich wieder ins Hostel gezogen. Dort hatte ich die Möglichkeit für meine Unterkunft zu arbeiten. Das bedeutete 14 h Arbeit auf 7 Tage verteilt, je nach meinem Ermessen. Als Arbeit hatte ich die Aufgabe, die Außenwände und einige Wände der Innenräume zu wischen. War ganz ok, den neben freier Unterkunft hatte ich alle Vorteile des Hostels (Hot Spa, Sauna) sowie das ausleihen des Surfboards und Wetsuits für 5$/Tag. Einfach genial. Ich kann euch sagen, ich habe die Woche genossen. Fast jeden Tag surfen, was folglich auch immer besser wurde. Auch wenn ich bis heute noch keine grüne Welle gestanden habe, muss ich zugeben. Aber die waren in der Woche zum Teil auch wirklich riesig und immerhin bin ich Anfänger. Am Ende hatte ich ein ziemlich blaues wundes Knie und jede Menge Spaß. Natürlich war ich nicht alleine Surfen. Im Hostel habe ich jede Menge netter Leute kennengelernt. Darunter auch Michel aus Freiburg, mit dem ich direkt auf einer Wellenlänge lag. Ein ziemlich schräger Typ, wie alle anderen immer sagen, aber sehr lustig. Er macht so ziemlich das gleiche wie ich in Neuseeland. Hat vor der Reise sein Chemie-Diplom gemacht.
Nach der Woche konnte ich leider nicht länger bleiben, da mir mein Geld ausging. Und auch wenn ich umsonst wohnen konnte, so muss ich ja doch manchmal essen und meine Betty hat ziemlichen Benzindurst. Kostet alles Geld, was man in Raglan nicht verdienen kann. Glaubt mir, ich habs versucht. Aber 1000 andere auch!
Also weiterziehen. Nach dem letzten Tag im Paradies packte ich meine Sachen und wollte mich noch von Pat verabschieden und das versprochene Foto machen, das so oft verlangt wird. Leider habe ich ihn verpasst. Das Foto muss also bis nächstes Jahr warten, wenn ich mit Ute zurückkomme. Sorry.
Mein nächstes Ziel war die Bay of Plenty, genauer die Stadt Tauranga mit Mount Maunganui, einem bekannten Surfspot. Da Michel keine Pläne hatte, ist er einfach mal mitgekommen. In der Stadt selber gibt es eine Fischfabrik und einen großen Hafen. Neben diesen Anlaufmöglichkeiten liegt Tauranga sehr günstig in einem großen Obstanbaugebiet, hauptsächlich Kiwis. Mein Plan war, entweder in der Fischfabrik einen Job zu bekommen oder auf einem Fischkutter anzuheuern. Hatte gehört, das man da unter Umständen gut Geld machen kann. Leider hat nicht davon funktioniert. Sogar in Restaurants habe ich gefragt, um wenigstens Abends etwas verdienen zu können. Nichts. Kein Job in der großen Stadt Tauranga, ich konnte es nicht glauben. Zu allem Überfluß ist mir dann nach zwei Tagen tatsächlich das Geld ausgegangen. Blöde Situation, kann ich euch sagen. Überall wurde ich auf später vertröstet. Gut, das ich meinen Van hatte, so hatte ich wenigstens mein eigenes Bett. Und Tütensuppen hab ich auf Vorrat;)
Also keine akut bedrohliche Situation, die aber natürlich so nicht bestehen bleiben konnte. Also was nun? Ich habe durch Faith, eine Backpackerin aus Wales, die ich aus Raglan kannte, über Facebook zwei Telefonnummern bekommen, wo ich nach Jobs fragen sollte. Ein Versuch war es Wert, aber ich hatte keine Ahnung, wo diese Leute in Neuseeland wohnen, vermutete allerdings, das es in der Region sein musste, da Faith auch dort unterwegs war. Außerdem habe ich in diversen anderen Regionen wie Gisborne und Napier durch Nummern aus dem Internet angefragt. Ok, ums kurz zu machen, bei einer der Nummern von Faith hatte ich Glück. Kesh, ein eingewanderter Nepalese, gab mir einen Job. Die einzig verfügbaren Jobs sind anscheinend das Pruning (beschneiden) von Kiwibäumen in der Hauptstadt der Kiwifrucht. Diesen Titel gibt es hier wirklich. Der Ort heißt Te Puke und liegt 25 km von Tauranga entfernt. Und hier dreht sich wirklich alles um die Kiwi. Neben der größten Kiwiskulptur der Welt und einem der größten Anbaugebiete der Welt hat die Stadt aber nicht wirklich viel zu bieten. Ehrlich gesagt, ist sie genauso häßlich, wie fast jede kleine und größere Stadt in Neuseeland, das ja auch eher für andere Sachen bekannt ist. Da Michel nicht vorhatte, in dieser Gegend länger zu bleiben, haben sich unsere Wege auch schon wieder getrennt. Ich schulde ihm noch 10$, ein guter Grund sich nochmal in Neuseeland zu treffen;)
Zurück zum Job. Als erstes hat Kesh mir klar gemacht, das ich erst mal für 250$ Werkzeuge (eine Art Rosenschere, eine große Astschere, eine Handsäge und anderen Kleinkram) kaufen müßte. Außerdem wäre es nicht möglich, in der ersten Woche Geld zu verdienen, da man in der Lernphase sehr langsam arbeitet und die Arbeit nach Menge der geschafften Einheiten bezahlt wird. Die besten Pruner können nach Jahren 35 Einheiten am Tag (1 Einheit sind 6$ bei Kesh, andere zahlen bis 10,50$) schaffen. Hörte sich für mich gut an. Wenn ich es mit etwas Übung auf 15 Einheiten/ Tag schaffe, wäre das doch nicht schlecht. Ich wollte es also versuchen, mangels Alternative blieb mir ja auch nicht viel anderes übrig. Da ich kein Geld hatte, hat Kesh mir die Werkzeuge bezahlt. Das sollte aber vom ersten Lohn abgezogen werden. Kurz gemacht: 15 Einheiten/Tag? PUSTEKUCHEN!!! Nach einer Woche habe ich nicht mehr als 5 bis 6 Einheiten/Tag geschafft. Das hat noch nichtmal ausgereicht, die Werkzeuge zu bezahlen! Geschweige denn die Unterkunft auf diesem billigen Campingplatz, der wirklich nur geringsten Ansprüchen genügen konnte.
Nachdem für mich feststand, das es so nicht weitergehen kann, habe ich in allen Packhäusern der Umgebung nach einem Job gefragt. Ohne Erfolg. Dan, einem Israeli, der mit mir bei Kesh angefangen hatte, ging es genauso.
Ich kann sagen, uns ging es wirklich nicht gut. Wir waren ziemlich ratlos und verzweifelt.
Einziger Trost: das Pendel schlägt immer in beide Richtungen aus! Einfache Physik. Folglich muss es auch wieder besser werden.
Und Tatsache: Durch einen Kontakt von Dan habe ich seit gestern einen neuen Job mit stündlicher Bezahlung (sogar etwas mehr als der Mindestlohn), einem netten Boss und eine neue Unterkunft. Wir sind uns vor Freude wirklich in die Arme gefallen. Was für eine Erleichterung!
Ich schlafe nach wie vor in meinem Van, alleine um Geld zu sparen. Aber auf diesem Campingplatz in Maketu direkt am Meer macht es wieder Spaß. Und frisch motiviert habe ich heute direkt mal 10 h gearbeitet. Die Arbeit ist nicht wirklich schwer. Leider etwas kompliziert zu beschreiben. Aber im Grunde arbeite ich natürlich wieder an Kiwibäumen. Ich ziehe die Schnüre, an denen die Äste emporranken, um danach die Äste an horizontalen Drähten zu befestigen.
Und wie ihr seht, habe ich wieder Internet. Alles Gut also. Hoffentlich kann ich länger bleiben, um mein Bankkonto für die weitere Reise zu füllen.
Ach ja, sorry, ist wohl leider doch ein Roman geworden. Aber immerhin mit Happy End;)

Montag, 5. Juli 2010

Ein paar Bilder von Raglan

Ganz oben: Whale Bay, die Könner gehen hier surfen! Die besten Wellen, aber auch am gefährlichsten, zumindest von meiner Seite aus so beurteilt.

Ngarunui Beach: dort lerne ich surfen. Toller Strand, wenn man nicht im Wetsuite rumläuft, muss man allerdings mit Sandflies klarkommen. Kann sehr nervig sein.

Kleiner Ausflug zum Ruapuke Beach mit Smoko. Natürlich durfte der obligatorische Tee nicht fehlen.

Küste auf dem Weg zum Ruapuke Beach.
Aussicht am Morgen von Manu Bay Richtung Ngarunui Beach und Raglan Harbour-Einfahrt.

Freitag, 2. Juli 2010

Neue Erfahrung

Ich bin immernoch in Raglan. Aber es haben sich wieder mal neue Umstaende ergeben. Ich wohne seit Gestern bei einem aelteren Maori, der durch einen Motorradunfall in der Vergangenheit sehr eingeschraenkt ist. Zusammen mit einem anderen Backpacker, der mich in der Bibliothek aufgegabelt hat, nehmen wir ihm ein wenig die Hausarbeit ab und leisten ihm Gesellschaft. Gegen Kost und Logie. Also praktisch wie Wwoofing. Ich habe selten einen so gastfreundlichen Menschen getroffen.
Pat oder auch Patriki hat ein sehr bewegtes Leben gehabt und kann viel erzaehlen. Er selber bezeichnet sich als Chief der Maori, eine Art Medizinmann. Wirklich sehr interessant. Er erzaehlt die Geschichten der Maori, wie sie entstanden, wie die Sonne eingefangen wurde und und und... eine tolle Erfahrung. Leider kann ich nicht wirklich jedes Detail nachvollziehen, aber es reicht, um fasziniert zu sein.
Nette Parallele zu den Inuit: Maori beruehren sich zur Begruessung auch mit den Nasen, um den Lebensatem weiter zu geben. Ob das wirklich von allen praktiziert wird, weiss ich allerdings nicht.
Und schon wieder habe ich die Unkompliziertheit der Neuseelaender vorgefuehrt bekommen, als Pat mir mal eben bei einem der Nachbarn einen Job fuer die naechsten Tage besorgt hat. Pat ist hier bekannt wie ein bunter Hund. Kann mir vielleicht noch sehr hilfreich sein.
Ab Montag werde ich wohl fuer eine Woche wieder in mein Luxushostel gehen, da ich das Angebot bekommen habe, dort fuer die Unterkunft (und Surfequipment nur 10$/Tag) zu arbeiten. Das kann ich nicht so einfach ausschlagen. Ausserdem sind die Leute in dem Hostel (es arbeiten zur Zeit 7 dort) echt super drauf. Sehr gute Atmosphaere, liegt vielleicht daran, das alle Surfer sind?
Werde auch noch ein paar Raglanbilder hochladen. Ist ein netter Ort im Winter, der im Sommer bestimmt 10x so voll ist. Und sehr nette Staende mit seeeehr guten Wellen.