Sonntag, 10. Juli 2011

Donnerstag, 7. Juli 2011

Vive la france... willkommen in Laos








Ein Hoch auf unsere Nachbarn aus Frankreich! Jawohl. Ich kann mir zwar vorstellen, das die Kolonialzeit unter den Franzmännern nicht so toll war für die laotische Bevölkerung, aber von deren Hinterlassenschaften, speziell in Luang Prabang, profitiert sie heute noch. Wo bekommt man in Asien noch so gute französische Baguette und Croissants, und das an fast jeder Ecke? Das ist schon ganz speziell hier. Und dann die Atmosphäre hier. Alte französische Villen und andere Gebäude aus der Kolonialzeit, enge Gassen, die kleinen Läden mit heimischen Erzeugnissen, die eher an kleine Boutiquen erinnern, hunderte orange gekleidete buddhistische Mönche auf der Straße und in den schönen Klöstern, die freundlichen Menschen überall, gutes Essen und das alles vor einer Kulisse von grünen Bergen und dem mächtigen Mekong! Herrlich! Ich liebe diese Stadt, dieses Flair.
Leider ist hier alles ziemlich teuer geworden in den letzten Jahren, was laut Reiseführer durch den Tourismusboom nach dem Tsunami in Thailand verursacht wurde. Teuer ist hier natürlich relativ. Für uns Europäer ist es immernoch sehr günstig, aber verglichen mit den Nachbarländern sehr teuer. Sogar das besser entwickelte und touristische Thailand ist im vergleich günstiger. Ein bisschen verwundert es schon, da Laos eher ein armes Land ist. Deshalb gehe ich davon aus, das es auf dem Land und in weniger touristisch entwickelten Regionen sehr anders sein muss. Ein bisschen spürte ich das schon, als ich heute mit dem Fahrrad aus dem alten Stadtzentrum (voller Touristen) in die Randgebiete (nur Locals) von Luang Prabang gefahren bin. Hier kostete das Wasser plötzlich nur noch die Hälfte. Aber wer will das den Laoten schon verübeln? Sollen sie ruhig von den Touris profitieren, denn das machen sie sehr viel zurückhaltender als viele aufdringliche Thais.
Luang Prabang ist auch berühmt für die Handwerkskunst der verschiedenen umliegenden Volksstämme. Diese handwerklichen Erzeugnisse werden hier natürlich überall verkauft, den kleinen Läden und auch auf dem alltäglichen Nachtmarkt. Hier könnte ich immer weiter Andenken und Geschenke kaufen und bei vielen Sachen denke ich an bestimmte Familienmitglieder und Freunde, denen die Sachen bestimmt gut gefallen würden. Aber leider habe ich ein Gewichtsproblem. Ok, ich habe auch ein kleines seit Australien, aber eigentlich meine ich mein Reisegepäck. Mein Backpack ist nicht nur voll, nein, er überschreitet auch inzwischen sein zulässiges Gesamtgewicht für den Rückflug nach Deutschland. In 15 Monaten sammelt sich so einiges an, was mich leider davon abhält, mich mit Geschenken für die Daheimgebliebenen einzudecken. Mal sehen, was ich von meinen Sachen aussortieren kann, um Platz zu schaffen. Wäre ja ne Schande...
Ach ja, da war ja noch meine unvergessliche Fahrt auf dem Mekong. Leute, das müsst ihr gemacht haben! Ich bin nach dem Übersetzen der Grenze von Thailand nach Laos, was einer Überquerung des Mekong entspricht, zuerstmal an den Grenzbeamten nicht vorbei gekommen. Ich war wohl schlecht vorbereitet, denn ich hatte nicht wie erforderlich ein Passbild für den Visumsantrag dabei. Aber mit ein bisschen Geld geht das schon, dauert dann nur 15 min länger. Nachdem ich die Visagebühr von 30 US$ bezahlt hatte, konnte ich passieren. Um mein "Slow boat" nach Luang Prabang buchen zu können, brauchte ich dann mehr Cash. Ich also zum vermeintlich einzigen ATM (Geldautomat), um festzustellen, das der außer Betrieb war. Schöne Sch....! Ich wurde dann 3 mal auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet. Nach 1,5h warten kam die Abfahrtszeit des Bootes immer näher. Ich hatte nur noch 30min. Was sollte ich also machen? Jeder einzelne meiner wenigen Tage in Laos ist doch so kostbar. Ich hatte ja schon vorher eine Reihe von Locals nach Alternativen gefragt, ohne Ergebnis. Als ich dann ein wenig Druck in der Bank machte, teilte mir eine Angestellte unter vielfacher Entschuldigung mit, ich könnte doch zur zweiten Bank im Ort gehen, die hätten noch einen ATM. Ich war ziemlich fassungslos, aber machte mich dann glücklich auf dem Weg. Um es kurz zu machen, ich hab mein Boot, das 1,5h verspätet ablegte, noch bekommen.
Es folgten zwei Tage auf dem Mekong. Die engen unbequemen Holzbänke, von denen mir vorher berichtet wurde, sind inzwischen abgeschafft. Dennoch ist jeder Sitz nach ein paar Stunden unbequem, was aber die wundervollen Eindrücke nicht schmälern konnte. Am ersten Tag waren es 6 h, am zweiten Tag 7,5h Fahrt. Wir passierten kleine Dörfer oder Siedlungen mit wenigen Häusern, wo wir manchmal Einheimische aufnahmen oder vom Boot entließen. Immer vorbei am immergrünen Dschungel und den Bergen, durch die sich der Mekong schlängelt. Auch nach zwei Tagen hat der Regenwald für mich seine Faszination nicht verloren.
Da es ja zwei Tage auf dem Mekong waren, musste man eine Nacht in Pak Beng übernachten. Wir wurden schon vorher gewarnt, das die Bewohner sehr aufdringlich sind bei der Ankunft und wir auf unser Gepäck aufpassen sollten. War ein guter Tip, wie ich meine. Mich hat es dann doch etwas überrumpelt, als ein allzu freundlicher Laote, der mit anderen auf das Schiff sprang, ehe wir dieses verlassen konnten, als erstes ein Zimmer mit frei Whiskey anbot und direkt hinzufügte, ich könnte da auch Opium und Marihuana rauchen. Um sein Angebot zu unterstreichen zeigte er mir den Inhalt seiner Hosentasche mit Opium und einem Päckchen Gras und einen Prospekt des Guesthouses. Ich sollte doch mal mitkommen und es ansehen. Ich sagte nur noch verdattert "No, maybe later...", meinte natürlich sein angeworbenes Zimmer, und versuchte ihn loszuwerden. War wohl die falsche Antwort gewesen, die ihm Hoffnung machte. Denn er verfolgte mich bis zum Guesthouse, wo ich schließlich unterkam. Und dort klopfte er dann ans Zimmer und kam unaufgefordert rein. Als ich ihm erklärte, das es wohl ein Missverständnis war, zog er mit tottrauriger Miene ab. Tat mir echt Leid, der kleine Mann.
Angeblich ist der Opium- und Marihuanakonsum in Laos eher die Regel mit langer Tradition als die Ausnahme, wie ich gehört habe. Bestätigt wird das durch die Opiumpfeifen, die man hier auf dem Markt angeboten bekommt.
Nun bin ich also in Luang Prabang. Hier werde ich noch bis zum 10.07. bleiben. Und da es hier so viel gibt, was man machen kann, habe ich mir etwas für mich besonderes ausgesucht. Ich habe mal Geld in die Hand genommen und einen Tagestrip gebucht. Und zwar werde ich einen Tag mit meinem persönlichen Elefanten verbringen. Zuerst werde ich ein Mahout-Training absolvieren, dann eine Stunde Reiten lernen, danach mit dem Elefanten im Fluss baden gehen und ihn so richtig schrubben, dann einen längeren Elefantenritt im Dschungel machen, bei dem ich alleine in seinem Genick sitze und ihn anschließend füttern. Ach ja, es geht auch noch zu einem großen Wasserfall im Dschungel, in dem gebadet wird. Der ganze Spaß kostet für laotische Verhältnisse ein Vermögen von 73 US$, was auch mir ziemlich weh tut. Aber ich tröste mich mit der Einmaligkeit dieser Sache und damit, dass das ganze als Ökotourismus auf Nachhaltigkeit beruht und ich damit direkt ein Umweltschutzprojekt unterstütze.
Abgesehen von all dem tollen Zeug, Leute, es ist verdammt heiß hier! Ihr habt ja keine Vorstellung...

Dienstag, 5. Juli 2011

Ich will mehr...

...Zeit in Asien! Ja, Asien, nicht nur Thailand, denn das kann nur der Vorgeschmack sein. Mir gefällt es echt super. Und das bedeutet, das ich mit Sicherheit nicht zum letzten Mal dort war, wenn ich Thailand am 13.07. verlasse.
Diese krassen Gegensätze in den Städten: Dreck, arme Menschen, andauernd drohender Verkehrsinfarkt, aber auch prunkvolle Tempel überall, die vielen Straßenhändler und genialen mobilen Garküchen und bunten Märkte. Unglaublich spannend und so anders als das, was man so kennt. Vor allem auch günstig, selbst die Sachen, die man dann kennt. Wenn man sich bewußt ist, das man hier nicht immer von Originalprodukten spricht, die Menschen einen schonmal gerne übers Ohr hauen und gerne aufdrängen (zumindest in der Stadt), kann man so richtig das shoppen und schlemmen genießen. In Bangkok bekommt man übrigens ziemlich schnell den Eindruck, das alle Bewohner dieser riesige Metropole unter einer Decke stecken müssen. Wie abgesprochen bekommt man von allen Leuten die man so trifft, die gleichen falschen Informationen, auch wenn es demjenigen nichts nützt, was mir einige Rätsel aufgibt. Aber wahrscheinlich hat jeder irgendwo einen Verwandten oder Freund sitzen, der davon profitiert, das man mal wieder einen Farang (Weißer) für dumm verkauft hat. Wenn man das System aber einmal verstanden hat, kann man es ja auch nutzen. So geht man dann zu einem Tuktuk-Fahrer und handelt einen günstigen Preis aus, im Gegenzug vereinbart man mit ihm, das er ein oder zwei Geschäfte, meistens Schneider oder Schmuckverkäufer, anfährt und man dort ein Interesse vorspielt. Dafür bekommt der gute Mann dann wertvolle Benzingutscheine von den besagten Firmen. Alle sind glücklich und du bist etwas mehr Zeit los. Soweit zum Allgemeinen.

Ich bin im Moment in Chiang Khong, der Grenzstadt am Mekong Fluss zu Laos. Eigentlich wollte ich jetzt schon auf laotischer Seite sein, aber es gibt keine Brücke und alle Boots-Verbindungen sowie das Immigrationsbüro hatten bereits geschlossen als ich ankam. Nachdem ich mit Jan, den ich in Bangkok getroffen hatte, und Anja gesprochen habe, ist in mir der Entschluss gereift, meine letzte Woche doch noch in Laos zu verbringen. Ach ist das herrlich, die Möglichkeit zu haben, einfach mal so zu entscheiden, ich gehe jetzt nach Laos... nur die Zeit ist der limitierende Faktor. Bevor ich also von meinem bisherigen Thailandaufenthalt berichte, hier mein grober Plan für die nächsten Tage. Ich fahre zwei Tage auf dem Mekong nach Luang Prabang, reite auf nem Elefanten zu nem Wasserfall, kaufe ein paar Mitbringsel und fahre dann weiter mit dem Bus nach Vienetiane und von da mit dem Zug zurück nach Bangkok. Hole dort meinen massgeschneiderten Anzug und Mantel ab und fliege nach Deutschland. Na, wie hört sich das an? Hoffentlich nach mehr Spaß als Stress. Die Tour mache ich übrigens seit heute alleine weiter, da mich meine Reisebegleiterin Anja heute zurückgelassen hat und bereits Richtung Heimat ist. Sehr schade, aber muss wohl so sein. Ich mach das Beste draus, wie immer.
Spaß hatte ich bereits auf den Inseln Koh Panhgan und Koh Tao, nachdem wir nach unserer Ankunft in Pukhet mit dem Bus und der Fähre dort hin sind. Koh Panhgan war mehr relaxen für mich. Wir haben die bekannte Full Moon Party nicht mitbekommen, obwohl ich bei besserem Timeing durchaus mal reingeschaut hätte, und haben uns stattdessen einen echt super schön gelegenen kleinen Bungaloo (5m zum Wasser und ich habe die Hängematte mit Aussicht geliebt!) an der Ostküste gemietet. So abgelegen, das es sogar mit unserem ausgeliehenen Roller nur schwer zu erreichen war. Den schlechten Dirttracks sei Dank.
Mit dem Roller haben wir die ganze Insel abgefahren und erkundet, soweit das möglich war. Kann ich nur empfehlen. Macht einen Heidenspaß, Nervenkitzel inklusive, versprochen.
Überall kann man sich am Wegesrand an kleinen Ständen mit frischen exotischen Früchten eindecken oder holt sich gleich seinen Fruchtshake der Wahl. Eigentlich ist das überall in Thailand so, was ganz klar ein riesen Plus ist. Ich liebe die Mangos hier, die Ananas...einfach alles. Probiert unbedingt Mangosteenen und natürlich alles, was ihr sonst nicht kennt!
Auf Koh Tao war ich tauchen. Endlich, nach Tonga das erste Mal wieder Tauchen. Was hab ich mich darauf gefreut. Ich hatte mir extra eine Tauchschule herausgesucht, die nicht so groß ist und sich aktiv für den Schutz und die "Wiederaufforstung" der Riffe einsetzt. Ich war ja schon durch Jan gewarnt, das der Zustand der Riffe nicht der beste ist. Trotzdem war ich nach meinen ersten beiden Tauchgängen etwas enttäuscht. Das sollten wirklich die besten Riffe Thailands sein? Automatisch verglich ich das Gesehene mit den Riffen bei Tonga, die natürlich einem anderen Rifftyp entsprechen, was aber nicht vom Zustand der Korallen ablenkt. Meine nächsten beiden Tauchgänge machten wieder einiges gut, wobei es bei mir nicht in Begeisterung umschlug. Besonders war die Minute, in der ich ganz in Ruhe eine grüne Meeresschildkröte beobachten konnte. Und natürlich gabs auch einige Nudibranchia zu sehen, hauptsächlich Arten der Gattung Phyllidia.
Ansonsten haben wir uns auch hier einen Roller ausgeliehen und die Insel erkundet, die allerdings viel kleiner ist und locker an einem Tag erkundet werden kann, was das Straßennetz angeht.


Leider muss ich jetzt schlafen und morgen ganz früh raus um die Grenze nach Laos zu überqueren und mein Boot zu buchen. Deswegen gibts mehr von Bangkok und Chiang Mai im nächsten Post.

Montag, 4. Juli 2011

Goodbye Australia


Obwohl etwas verspätet möchte ich hiermit das Kapitel Australien mit einen kleinen Eintrag im Blog schließen.
Ich fasse den Abschied für Interessierte kurz zusammen. Ich wurde von Pete, Anna und ihren Kindern sehr nett verabschiedet und man konnte spüren, das man sich doch schon in der kurzen Zeit aneinander gewöhnt hatte. So richtig ans Herz ging es mir, als Pete am Geburtstag seiner Tochter Georgia laut zum Familienkuscheln ("family cuddling") aufrief und sein Sohn Will mich sofort wie selbstverständlich dazu aufforderte mitzumachen. Das laute Lachen verstand er garnicht.
Die letzten beiden Tage verbrachte ich mit Anja bei Anna´s Mutter in einem sehr luxuriösem Haus in den Perth Hill´s, einer echt schönen Gegend bei Perth. Mein Haus in Beacon hatte ich einigermaßen aufgeräumt und sauber verlassen und musste Porky nur den Strom der vergangenen Monate bezahlen. Ich hatte sozusagen die ganze Zeit umsonst gewohnt! Was für nette Leute, die Aussies.
Ich führe die Geschehnisse der letzten Tage in Australien nicht näher aus, aber nach dem Ende der Seeding Zeit wurden vermehrt BBQ´s im Bush abgehalten, mit den ganzen Familien, Lagerfeuer und Kühlboxen voll mit Leckereien und Bier. Die Leute waren alle sehr Entspannt nach der stressigen Zeit und ich fühlte mich sehr wohl, was es nicht leichter machte, den tag des Abschieds näher rücken zu sehen. Als kleines Dankeschön haben Anja und ich für "unsere" Familien zusammen ein "typisch" deutsches Essen zubereitet. Nun ist man ja etwas eingeschränkt im kleinen Beacon, zumindest was die Zutaten angeht, also haben wir einen riesigen Schweinebraten mit Kruste, dazu die guten Knödel nach Omas Rezept und grüne Bohnen mit Speck gemacht. Nicht nur für die Aussies war das ne Premiere, aber es kam alles super an.
Nachdem wir uns von Beacon und seinen Einwohnern mehr (ganz vorne dabei der gute Noel und seine Frau Michel) oder weniger verabschiedet hatten, fuhren wir mit Pete und seiner Familie nach Perth, wo wir wie erwähnt bei Anna´s Mutter wohnten. Ich versteh immernoch nicht, warum eigentlich fremde Menschen so nett zu mir waren. Anja und ich haben ein eigenes Schlafzimmer bekommen, ein eigenes Auto zum rumfahren und wurden zum Schluss noch zum Flughafen gebracht und verabschiedet. Außerdem wurde der gesamte Wochenablauf der Familie nach unseren Reiseplänen koordiniert und wir wurden 350km nach Perth gefahren. Und das alles für einen deutschen Backpacker, der ein paar Wochen dort gearbeitet hatte. Ich kann mir das in Deutschland nur schlecht vorstellen, das muss wohl wirklich einer der Unterschiede sein. Überzeugt mich eines Besseren und ich nehme alles mit Freude zurück.
War ne tolle Zeit in WA. Jederzeit wieder. Ich bin natürlich traurig, das ich fast nichts vom Land gesehen habe, all die tollen Sachen an der Küste, die Nationalparks, die Tiere zu Land und zu Wasser wie die Dugongs und Krokodile...ich würde sagen, ich habe genug Gründe zurück zu kommen. Und Pete und seine Familie haben die Hoffnung noch nicht aufgeben, das ich zum Arbeiten zurück komme.
Also, auf nach Thailand...

Montag, 6. Juni 2011

Die frohe Botschaft

Ok, aus dem "Morgen gehts weiter" ist ja nichts geworden. Dafür kann ich aber mit einem lachenden und einem weinenden Auge meine Rückkehr verkünden. Am 13. Juli werde ich meine Füße auf deutschen Boden setzen.
Sehr zum Leidwesen meines Chefs Pete, der bis zum Schluss versucht hat und es eigentlich immernoch versucht mich zu überreden, doch zurück zu kommen, um weiter für ihn zu arbeiten. Ein Jobangebot hat er mir bis Oktober gemacht. Sogar die Flüge für einen Urlaub in Thailand wollte er mir bezahlen, falls ich zurück komme. Scheint also, als hätte ich mich nicht ganz so dumm angestellt. Vielleicht hätte ich nicht studieren sollen und direkt Schweißer oder Schlosser lernen sollen, die hauptsächlichen Arbeiten in seiner Werkstatt. Das große Giftspritzen ist nämlich erstmal vorbei. Damit natürlich auch das große Geldverdienen, obwohl ich hier mit 800$/Woche sicherlich mehr verdiene, als ich in Deutschland mit jedem besch... Nebenjob verdienen werde, den ich in den nächsten Monaten machen werde. Habe ja gelesen, die ökonomische Situation in Deutschland soll so gut sein zur Zeit. Mal gespannt, wie sich das auf mich und meine Suche nach einer Dr-Arbeit auswirkt. Zurück nach Australien ins hier und jetzt. Also, Seeding ist vorbei und damit auch das Pre-Emergent Spraying, der Job, der mir so viel Geld eingebracht hat. Wenn ihr jetzt denkt, ah, das wars dann ja mit dem Gift bis zur Ernte, habt ihr falsch gedacht. Hier ein wenig Aufklärungsarbeit. Also, beim Pre-Emergent Spraying werden die großen Universalkeulen eingesetzt, hauptsächlich Roundup und Treflan (in Deutschland verboten), die anderen Gifte erspare ich euch an dieser Stelle. Das alles erfolgt wenige Stunden vor der Einsaat und tötet alles, was dort wächst und Blätter hat (Roundup ist ein Kontaktgift) und stoppt das Auskeimen von Unkräutern (Treflan). Die Konzentrationen der Gifte werden vom Farmer vorgegeben, der mal mehr oder weniger Ahnung hat (leider). Da zunehmend Resistenzen der Unkräuter entstehen, wird die Konzentration zunehmend erhöht. Soweit alles klar. Die Hauptfeinde der Farmer und besten Freunde meines Bosses sind wilde Roggengräser, wilde Melonen, wilder Rettich und Senf.
Da man ja nicht alles kleinbekommt und die Farmer durch die imense Größe ihrer Farmen nicht in der Lage sind, alles zeitgleich zu bearbeiten, kann auch nicht alles zum perfekten Zeitpunkt bearbeitet werden. So wird also ziemlich bald die zweite Ladung Gift fällig, das Post-Emergent Spraying, bei dem allerdings eher spezifische Gifte eingesetzt werden, um alles abzutöten, was überlebt hat und kein Weizen, Hafer oder Gerste ist. Je nach Feldfrucht werden natürlich andere Gifte verwendet, so werden hier zB auch Lupinen und Raps angebaut.
Ich will jetzt nicht zu detailiert werden, aber ist gibt noch das Sommerspraying und Topping. Bei letzterem wird vorbeugend alles auf den brachliegenden Äckern gekillt, damit dort auch keine Nährstoffe an Unkräuter verschwendet werden. Man sprüht also auch dort, wo nichts angebaut wird.
Das alles ist so ziemlich normal und macht fast jeder Bauer, auch in Deutschland, wie mir bei Nachfrage versichert wurde. Ich finde, das ist mal ganz nett zu wissen, für diejenigen, die nicht naive durch die Welt laufen möchten.
Das Arbeiten in der Werkstatt hat mir echt Spaß bereitet, ich mag es zB sehr zu schweißen. Wenn man meinem Boss glauben kann, habe ich sogar ein Talent dafür. Und so hat er mir angeboten, das ich auch nach meiner Rückkehr nach Deutschland im Falle einer Meinungsänderung zurück kommen und für ihn arbeiten kann. Finde ich sehr nett. Ich mag Pete und seine Familie sehr und sie mögen auch mich. Ich möchte nicht, das hier ein falsches Bild entsteht, das man die Leute hier für zurückgeblieben hält oder für dumm. Ich habe durchaus sehr weltoffene Farmer getroffen, die viel gereist sind und durchaus eine kritische Meinung haben. So auch mein Boss Pete, den ich für einen sehr intelligenten Menschen halte. Gestern haben wir zB ein großes Picnic im Busch gemacht, mit großem Feuer und grillen. Zusammen mit der ganzen Kindermeute und den Vätern, darunter mein Boss Pete, sind wir nach dem Essen in den Busch gezogen und haben Sandelholzbäume gesucht. Und auch gefunden. Nach Wochen, in denen ich nur Felder gesehen habe, war es echt eine Wohltat nochmal in einem richtigen Wald zu sein. Und Andrew, einer der Väter und Farmer, hatte ein recht umfangreiches Wissen über die heimische Natur. Letztendlich hatte ich einen wundervollen Tag mit Familienidylle und Natur, Bier und gegrilltem Fleisch. Was will man mehr. Entschädigt doch für so einiges.
Pete spricht übrigens oft davon, noch mit mir an die Küste zu fahren zu wollen und fischen zu gehen. Zusammen mit seinem Bruder und seinem Boot. Hoffentlich klappt das noch, denn in zwei Wochen bin ich ja schon weg. Und zwar nach Thailand. Es geht für 3 Wochen nach Thailand. Zuerstmal möchte ich erholt und entspannt in Deutschland ankommen und habe mir glaube ich einen kleinen Trip in Thailand verdient. Und wenn ich schon nicht in Australien tauchen kann, möchte ich doch die Gelegenheit in Thailand nutzen. Dort erwartet mich übrigens die Regenzeit mit 40°C, was im Moment so ziemlich das Gegenteil von Western Australia ist. Hier ist es nämlich echt kalt. Womit ich nicht gerechnet habe. Wer bringt schon Australien mit kalt in Verbindung? Und so hatte ich die meisten meiner warmen Sachen damals von Neuseeland nach Deutschland geschickt. Das rächt sich jetzt ein wenig. Aber in zwei Wochen bin ich ja in der Hitze Thailands. So lange wirds noch gehen. Das Wetter in Deutschland ist ja auch ganz ok, wie ich vernehme. Aber bevor ich mich am Wetter auslasse...
Ihr lest wieder von mir.

Sonntag, 29. Mai 2011

Totgeglaubte leben länger...

... und ja, dieser Blog und sein Author leben tatsächlich noch. Nach längerer Abstinenz, nennen wir es eine Orientierungspause, gibt es nun mal einen aktuellen Stand meinerseits.
Also, wo soll man anfangen nach einer so langen Pause? Selbstverständlich werde ich nicht jedes Detail erzählen, aber ihr kennt mich ja und wißt wie das ausgehen wird.
Ich bin immernoch im kleinen 150-Seelen-Nest Beacon, wohne sogar in meinem eigenen Haus, und mittlerweile schon ziemlich gut eingelebt und aufgenommen von den Einheimischen. Wirklich sehr nette Menschen hier, hauptsächlich Weizen- und Schaffarmer, die über jedes neue Gesicht freuen. Wenn man hier lebt, bekommt man natürlich die alltäglichen Probleme der Menschen mit, die hauptsächlich wetterabhängig, genauer regenabhängig sind. Trotzdem drängt sich der Eindruck auf, das hier die Uhren anders (langsamer) ticken und die Welt nicht ganz so schlecht ist. Wahrscheinlich hängt das damit zusammen, das man hier so weit von einfach allem weg ist. Der positive Eindruck trifft aber zumindest auf die kleine Gemeinschaft der Stadtbewohner (ja, Beacon ist eine Stadt!) und anliegenden Farmer zu. Das, was das ganze irgendwie zusammenschweißt, ist das "Footy". So wird das Australien Rules Football in der Umgangssprache genannt. Die Heimmannschaft sind die Beacon Bombers, bei denen ich auch schon zweimal mittrainiert habe. Wohl eher mit mäßigem Erfolg. Und für weitere Trainingseinheiten fehlt mir aktuell einfach die Zeit. Und das ist jetzt mal keine Ausrede. Aber dazu gleich. Jeden Samstag ist also das Hauptereignis der Woche wenn es zum Footy geht. Und wenn man das mal mit Kreisklasse vergleicht, hier wird schonmal 150km bis zum Auswärtsspiel gefahren, in einer Liga, in der grade einmal 8 Mannschaften spielen. Da ist wohl verständlich, das sich zu einem solchen Event die Frauen so richtig rausputzen, wenn sie denn nicht im Hockey- oder Netballteam spielen. Footy ist also auch meine Samstagsbeschäftigung, soviel zu meiner Freizeit. Ach ja, Sonntags ist übrigens Golfzeit. Ich war jetzt schon einige Male golfen. Und ja, ich weiß wie das klingt. Aber hier ist das nicht wirklich was für vornehme oder reiche Leute. Für 5$ Greenfee kann ich hier den ganzen Sonntag golfen, wenn es die Zeit und mein Kater vom Samstag erlauben. Ich muss wohl dazu sagen, das auch beim Golf ordentlich Bier konsumiert wird, was zwar für mehr Spaß sorgt, aber nicht grade mein mieserables Handycap verbessert.
Ich habe leider sehr wenig Freizeit in den letzten zwei Wochen gehabt, und auch keine Wochenenden, so das Footy und Golf also flache fielen. Und das hängt wie alles hier direkt oder indirekt mit dem Regen zusammen. Genauer hängt mein Job und meine Arbeitszeit davon ab. Wie ich zu diesem und welchem Job gekommen bin, erkläre ich mal kurz. Also, nach dem wir unseren Fencingjob bei Porky Enterprises beendet hatten, haben wir ein Arbeitsgesuch in das Ortsblättchen gesetzt, Seite 1. Wir haben uns natürlich nicht darauf verlassen, das die Leute sich um uns reißen und haben nach guter alter Backpackermanier die Kneipenmethode probiert. Also ab in den örtlichen Pub, wo die Arbeiter und Anwohner ihr Bierchen zischen, überall mal streuen, das wir Arbeit suchen und nebenbei Infos sammeln, was denn so bezahlt wird und was es an Arbeit gibt. Die Leute wußten natürlich schon alle, das 4 Deutsche in der Stadt sind und nach arbeit suchen, bei 150 Leuten kein Wunder, aber soziale Kontakte und ein kaltes Bier sind immer gut. Und auf diese Weise trafen wir Noel, unseren nächsten Boss. Noel ist Farmer und wie wir später erfuhren einer der einflußreichsten Männer hier in Beacon und Umgebung. Er ist der Präsident der Beacon Bombers, der Vizepräsident des Beacon Shires, also der stellvertretende Gemeindevorsitzende und hat sonst noch so einiges an Funktionen, was sich in den Erzählugen verliert. Sein Einfluss sollte sich noch als Glück herausstellen. Für ihn machten wir wieder Fencing, also Zäune reparieren bzw neue aufstellen. Ganz nebenbei, ich habe noch nie so viele Zäune gesehen wie hier in Australien. Jedes Feld ist hier eingezäunt, vor allem wegen der Schafe (Kängurus hüpfen einfach drüber)! Die Zaunindustrie muss ein Vermögen machen!
Zurück zum Job. Nach dem Fencing haben wir noch das Dach eines seiner Häuser gedeckt. Wir haben uns super mit Noel und seiner Familie verstanden, die uns alle sehr mögen. Wir hatten so einige nette Feierabendbiere zusammen. Und auch auf Kangurujagt hat er uns einmal mitgenommen. Aber das ist eine andere Geschichte. Als es nichts mehr auf seiner Farm zu tun gab, hat er wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt, viele Leute angerufen und uns schließlich einige kleinere Jobs besorgt. Denn eigentlich wollten wir beim Seeding arbeiten, also bei der Aussaat des Weizen helfen. Davon hatten wir im Pub erfahren. Bei dieser Saisonarbeit werden jedes Jahr Traktorfahrer gesucht, die gut bezahlt werden. Da kein Regen in Aussicht war, und das Seeding so wie alles hier vom Regen abhängt, planten wir nach ein paar Tagen unsere Arbeitssuche im Norden fortzusetzen und an der Küste nach Broome zu fahren. Noel fand uns aber so nett, das er uns unbedingt hier in Beacon behalten wollte. Frisches Blut für die Stadt. Neben den kleinen Jobs stellte er uns andere Jobs in Aussicht. Und was soll ich sagen, diese Seele von einem Mann hat uns tatsächlich jedem einen Job besorgt. Joe und Christian fahren Traktor und haben auch eine andere Unterkunft bekommen. Kim hatte keine Lust zu bleiben, hat seinen Job garnicht erst angetreten und ist zurück nach Perth. So war ich dann alleine in Porky`s Haus, das die Leute nur das Pink House nennen.
Und nun zu meinem Job. Segen und Fluch zugleich, denn er ist auch einer der Gründe, warum ich nichts berichtet habe. Ich verdiene grade soviel Geld, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Bis zu 450$/Tag. Das ist der Segen. Aber wie ihr vielleicht schon vermutet ist da auch ein Haken. Nach über einem Jahr Low Budget Trip habe ich mich also kaufen lassen und einem meiner Prinzipien einen Urlaub gegönnt. Ich könnte versuchen, das alles doch positiv zu umschreiben, aber was solls, bin doch einer der Ehrlichen und stehe zu meinem Scheiß. Ich bin nicht stolz darauf, aber ich sprühe Gift auf die Felder der Farmer. Das ist natürlich vollkommen normal hier und wird auch nicht irgendwie negativ bewertet von den Menschen, das ist meine ganz persönliche Einstellung. Ich kaufe in Deutschland Bioprodukte und verabscheue den Konzern Monsanto für für die Geschäftspraktiken und Firmenphilosophie, die dahinter steckt. Und hier in Australien sprühe ich unter anderem Roundup, eine Monsanto-Chemikalie. Nun ja, ich begehe ja keine Verbrechen oder so, und ich weiß, ich muss den Job nicht machen, aber ich bin ja hier um Geld zu verdienen und mir war schon vorher klar, das ich hier nicht meinen Traumjob finden werde. Ich habe echt gut darüber nachgedacht bevor ich ja gesagt habe, und ich kann zumindest sagen, das ich verantwortungsbewußt mit der Brühe umgehe.
Seit es vor etwas über einer Woche geregnet hat ist es sehr stressig. Alle Farmer haben ein 24h Zeitfenster, in dem sie nach dem Sprühen ihre Saat einbringen müssen. Ich werde pro Hektar bezahlt und wenn es gut geht sprühe ich so 400ha am Tag. An einem idealen Tag sind 500ha drin, aber auf den Tag warte ich noch. Ich fahre einen überdurchschnittlich großen Pickup Ford F250 mit einem ziemlich großen Trailer dran, dessen Arme ich auf 110 foot ausklappe, mit ca. 30km/h über die Felder. Ihr seht, alles ziemlich groß hier. Da kommts auch mal vor, das man Fehler macht. Wie gestern! Die Umstände sind mir schon echt zu peinlich, aber ich hatte einen Unfall mit meinem Gefährt und hab es ziemlich stark beschädigt. Für mich stand fest, all mein verdientes Geld geht dafür drauf und noch mehr, falls meine Haftpflicht nicht einspringt. Mein Boss Pete hat glücklicherweise echt gut reagiert und mich nicht umgebracht. Zusammen haben wir es in 4 h Arbeit unter Hochdruck notdürftig geschweißt und repariert. Ihm war etwas ähnliches auch mal passiert. Meine Versicherung muss ich also nicht bemühen. Puuh! Trotzdem habe ich mich echt sowas von schlecht gefühlt. Glück mit meinem Chef hab ich also auch. Der hat mir übrigens in den Wochen vor dem Seeding so einiges nützliches beigebracht. Nun kann ich also schweißen und allerlei Arbeiten mit Stahl erledigen.

Ich mach hier mal Pause. Morgen gehts weiter. Es gibt da noch was Interessantes...

Freitag, 8. April 2011

Dienstag, 29. März 2011

Abenteuer Arbeiten im Outback

Wie ihr seht, habe ich den Job im Outback wie geplant durch ziehen können. Erwartet haben wir vier deutschen Backpacker eine Farm in der Nähe von Beacon (die Stadt erinnert einen an den Film Zombieland), einem kleinen Kaff (hier Stadt genannt) mitten im Outback. Verabredet waren wir Montag morgens am Postamt, das gleichzeitig der einzige Shop ist. Nachdem wir in der Nacht zum Montag im Zelt und Auto am "Stadtrand" übernachtet hatten, trafen wir also Ruth, unseren Kontakt, der uns abholen sollte. Mit dabei Bradley, ihr 19 jähriger liebenswürdiger Enkel mit Down Syndrom, der uns direkt mit "Hey dude, you are cool!" begrüßte, was wir die folgende Woche noch unzählige Male hören würden. Nachdem erstmal ein riesiger Einkauf für über 600$ in dem kleinen Store gemacht wurde, alles Nahrungsmittel für die nächsten paar Tage, ging es dann los. Wir bekamen nur gesagt, bitte folgen bis wir da sind und es wären noch ca. 60 km.
Bei der Ankunft stellte sich heraus, das "da" keine Farm im Outback war, sondern ein Arbeitscamp im Outback, weit ab von jeglicher Behausung. Unsere Unterkunft für die nächsten Tage war dieser Kontainer, wobei ich das fragwürdige Glück hatte, zusammen mit Chris und Jessie, die ich später noch erwähnen werde, in einem verranzten kleinen Wohnwagen zu schlafen. Immerhin gab es einen Dieselgenerator und damit begrenzt (bis 9.30pm) Strom. Handyempfang natürlich Fehlanzeige, aber damit hatten wir gerechnet.
Neben diesem Container und dem kleinen Wohnwagen gab es noch einen großen Wohnwagen, in dem Mark mit seinem Sohn Bradley schlief, und einen großen zum Wohnmobil umgebauten modernen Bus, in dem unser Boss Porky und seine Frau Ruth wohnten. Natürlich gab es noch mehr Fahrzeuge, große Maschinen und Equipment, die letztendlich das Camp bildeten.
Das Bild zeigt einen unserer typischen Feierabende. Aufgestanden wurde übrigens mit Sonnenaufgang, ca. 6am, wenn unser Boss den Generator startete, und gearbeitet wurde bis 5.30pm. Das alles bei bis zu 35°C am Nachmittag, ohne Schatten, in einer ziemlich monotonen Landschaft, die aber durchaus ihren Reiz hatte. Gleich am ersten Tag wurden wir von einem Gewitter überrascht, was uns sintflutartigen Regen bescherte und das Arbeiten unmöglich machte. Die verbleibenden Stunden bis zum Feierabend wurden allerdings bezahlt, was uns sehr gewundert hat. Zugleich wurden wir darauf hingewiesen, das wir neben dem Gewitter auch echt Glück hatten, das es die Woche recht Kühl sein sollte mit den 35°C. Die letzten Wochen waren es wohl täglich über 40°C! Fällt einem trotzdem schwer, über 35°C im Schatten froh zu sein.
Wie sah eigentlich unser Job aus? Unter Fencing kann sich ja jeder was anderes vorstellen. Der ganze Auftrag betraf die Verbesserung des Dogfence. Die Regierung bezahlt im Grunde die Instandhaltung eines Zaunes für den Schutz der kultivierten Landschaften vor Wildhunden, den bekannten Dingos. Dieser Dogfence ist zum Teil weit über 100Jahre alt und allzu durchlässig für Dingos geworden. Früher sollte er auch mal Kaninchen abhalten, was aber aufgegeben wurde. Wir sollten nun an den alten Zaun einen Untergrabungsschutz aus Draht anbringen. Ich ergebe mich hier nicht Details, die keinen interessieren. Nur soviel dazu, ich hatte auch ein wenig Spaß mit meinen Arbeitsgeräten, einer 125er Crossmaschine, mit der die Zäune abgefahren und kontrolliert wurden, und zwei Quads.

Die Richtige Arbeit war natürlich schweißtreibend anstrengend und weniger Spaß fördernd, wie ihr euch vorstellen könnt.

An den Feierabenden wurde man fast jeden Tag mit den schönen Farben der Sonnenuntergänge des Outbacks verwöhnt, auf die dann der unvergleichliche Sternenhimmel in der Nacht folgt. Einfach fantastisch, diese Eindrücke.
Im Camp war übrigens stricktes Alkoholverbot, so das wir uns die Abende mit Gesprächen und "How I met your mother" Episoden vertrieben. Das Essen war übrigens das Beste, was ich in den letzten Monaten an 6 Tagen in Folge bekommen habe. Schon bewundernswert, was Ruth so in ihrem Bus zaubern konnte. Nur die Gespräche und der Umgangston waren zunächst sehr gewöhnungsbedurftig, zumindest was das Niveau angeht. Ich bin ja schon einiges von diversen Jobs am Bau gewöhnt, aber hier wurde alles getoppt. Natürlich bildeten wir Backpacker da eine Ausnahme, soweit dies möglich war;-)
Unser Boss Porky war ganz zufrieden mit uns Backpackern, nur Jessie, ein 17jähriges Großmaul, der außer Schimpfwörtern und furzen nichts draufhatte, und Chris, der etwas verpeilte 19jährige Stiefenkel von Porky und Mark´s Sohn, brachten ihn ständig auf die Palme. Jeden Tag wurde etwas an Gerät beschädigt und die Faulheit der beiden war unbeschreiblich. Da wir mit den beiden in Teams zusammenarbeiteten, machte das uns einige Sorgen. Wir wundern uns dann doch, wenn bei solcher Arbeitsmoral noch große Boni gezahlt werden. Aber so ist das dann in Australien halt. Übrigens ist hier in Australien Eigeninitiative im Berufsleben eindeutig unerwünscht! Das untergräbt nämlich die Autorität des Bosses. Ja, genau! Wenn dann mal die Arbeit ausgeht, dann macht man halt Pause und wartet, was als nächstes kommt. So wurden zum Teil Stunden verbracht, weil die Arbeitsabläufe nicht abgestimmt ware, oder aber Chris und Jessie wieder mal keinen Bock hatten. Für mich und die anderen teilweise eine nur schwer nachvollziehbare Arbeitsmoral. Wir hatten außerdem auch immer Schiß vorm Boss, aber der fand das wohl mehr oder weniger normal. Komisch, die Aussies! Aber an Geld scheint es hier wohl nicht zu mangeln.
Nebenbei habe ich auch mit dem australischen Wildlife Bekanntschaft machen können. Diese Witchetty-Made soll essbar sein, was ich mir aber dank guter Verpflegung erspart habe. Außerdem war diese hier schon ziemlich groß. Aber sehr interessant. Auch andere wirbellose Tiere gabs zuhauf, zumeist hochgiftige allerdings, wie die Wolfsspinne, Redback-Spinne oder Banana-Spinne. Netter anzusehen waren wohl die Reptilien in den nächsten Bildern. Leider konnten wir nur einige der kleinen fangen, die sind verflucht schnell.
@Peter: Falls du das liest, kannst mir ja spontan mal einen Beweis deines umfangreichen Wissens liefern und mir die Namen verraten.

Nachdem wir unseren Auftrag abgeschlossen hatten, haben wir das Camp abgebrochen und sind zurück nach Beacon gefahren. Da ich glücklicherweise einen der alten Führerscheine habe, konnte ich sogar einen der Trucks mit Anhänger fahren. Die ganze Karavane war echt stattlich anzusehen, und das auf über 130 km Strecke nach Beacon.
In Beacon sind wir übrigens noch immer. Porky hat uns in einem seiner Häuser einquartiert, ganz für umsonst, da wir ihm in zwei Tagen nochmal helfen sollen, die Trucks für das nächste Projekt zu beladen. Ein Tag mehr Arbeit, mehr Geld, da sagen wir nicht nein. Zumal auch die Verpflegung bis dahin inclusive ist. Und wie es sich so anhört, könnten in der Umgebung noch mehr Jobs warten. Das wird sich wohl in den nächsten zwei Tagen herausstellen. Wir werden sehen.
Übrigens, Handyempfang gibt es hier immernoch nicht, deshalb wundert euch nicht, das ich mich nicht melde. Ich bin schon ganz begeistert, das ich Internet habe, was sich aber auch schnell in Abhängigkeit vom nächsten Job ändern kann.
Hoffentlich war der Job nur ein guter Anfang. Wünscht mir Glück, das es weitergeht mit dem Geldverdienen.

PS: Die Erfahrung hier im Outback zu arbeiten, fand ich übrigens super! Das ist also Australien, oh sorry, Western Australia!