Samstag, 27. November 2010

Naturgesetz III: Es schwingt und schwingt und schwingt...

Das ging mal schnell. So wie es aussieht, muss ich meinen Besuch beim Pferderennen am Sonntag ausfallen lassen. Stattdessen werde ich wohl Kirschen pflücken, und das nicht zum Spaß. Es ist mein neuer Job. Habe diesen Morgen mit meiner Jobsuche angefangen. Die ersten beiden Anrufe waren direkt mal ein Reinfall. Danach bin ich dann mit Harry und Lynn zu einem Obstbauern gefahren, bei dem schon einige andere ehemalige Kollegen untergekommen sind. Und Volltreffer. Wir sollen heute schon anfangen, um genau zu sein, in einer Stunde. Und Morgen wird wohl auch gearbeitet.
Es gibt zwar nur den Mindestlohn, was um einiges weniger ist, und es wurde schon angekündigt, das es zwischendurch vielleicht ein oder zwei freie Tage geben wird, aber es ist ein Job!
Außerdem soll es in zwei Wochen so richtig mit der Kirschernte los gehen, was einen Wechsel zu Akordarbeit bzw Contract pay bedeutet. Da kann man dann ziemlich gut Geld verdienen, wenn man denn schnell genug ist. Je nach Farm bekommt man ca. 5 $/5L Kirschen.
Sieht so aus, als ob sich das Pendel bewegt. Hatte mich zwar schon auf das Pferderennen gefreut, aber Job geht natürlich vor. Bin ja nicht zum Spaß hier;)
Den großen Gewinn kann ich natürlich auch knicken.
Ach ja, wieder keine Bilder, tut mir Leid Leute. Beim nächsten Mal vielleicht.

Donnerstag, 25. November 2010

Naturgesetz II: Und es schwingt doch ...

Es ist wohl an der Zeit, meine Pendeltheorie zu erläutern. Eigentlich ist es keine wirkliche Theorie sodern nur ein Bild, mit dem ich meine Überzeugung veranschaulichen möchte. So kennt wohl jeder die Bewegung eines Pendels, das nach zwei Seiten ausschlägt. Und da es nur diese zwei Möglichkeiten an Ereignissen gibt, die absolut vorausschaubar eintreffen werden, wobei der Ort direkt von der Zeit, der aufgewendeten Kraft und der Schwerkraft abhängig sind, kann man davon ausgehen, das über kurz oder lang ein Richtungswechsel stattfindet.
Dieses Bild wende ich auf das sprichwörtliche Pech und Glück an. Klingt vielleicht nach Optimismus, ist es aber nicht. Purer Realismus, da es sich um Fakten handelt. Zumindest was die Naturgesetze und das Pendel angeht. Auf das Pech bzw das Glück bezogen stütze ich mich da eher auf Wahrscheinlichkeiten. Idealerweise hat man also im langfristigen Mittel genauso viel Glück wie Unglück in seinem Leben. So kann sich also keiner beschweren, wobei die Aussage auf dem Wort langfristig basiert.
Ok, jetzt mal Tacheles. Für alle, die schon entnervt wegklicken wollen. Wieso schreibe ich hier so ein Zeug? Keine Sorge, und verdreht auch nicht die Augen! Es kommt schon nichts Privates. Aber ich habe wieder mal Pech. Seit Tonga irgendwie auffällig oft, will ich hier mal schreiben. Wobei ich Kleinigkeiten bisher unterschlagen habe. Vielleicht hat mich eine (tonganische? /deutsche?) Hexe verflucht?
Nachdem uns gestern mitgeteilt wurde, das ab sofort keine Überstunden mehr gemacht werden dürfen und auch die Samstage wegfallen werden, wurde heute morgen Allen gekündigt! Zumindest allen temporären Arbeitskräften. Zuwenig Arbeit kann nicht der Grund sein, obwohl dies als Grund genannt wurde. Morgen ist der letzte Arbeitstag. Und dann ... keine Ahnung. Denn seit heute sind ja auf Anhieb ca. 40 Leute arbeitslos geworden, die eigentlich einen zugesicherten Job bis Weihnachten hatten. Und die suchen nun alle einen Job, wie ich eben auch. Verfluchte Flexibilisierung des Arbeitsmarktes! Der nächste Verfechter bekommt einen auf den Deckel. Freut euch schon mal in Deutschland darauf, was auf euch zukommt.
Die nächsten Tage werde ich viel im WWW sein, Telefonieren und mit dem Auto jeden Orchard und Vinyard abfahren. Keine guten Nachrichten für mich, dem ja die Zeit davon rennt, wie ihr wißt, und der das Geld braucht.
Und natürlich ist der Verlust des Jobs nicht genug, nein, auch meine Kupplung hat ein Leck. Das zwar zunächst ziemlich klein war, sich nun aber enorm steigert. Das Lecken meine ich;)
Die Ersatzteile sind nicht das große Problem, wobei die auch Geld kosten. Mein netter kleiner Van ist sowas von kompliziert gebaut, das ich das nicht selber einbauen kann und die Reparatur wegen enormem Zeitaufwand sehr teuer wird.
Das bringt mich wieder zum Pendel. Beruhigend zu wissen, das ich langfristig wieder Glück haben werde. Da ich mit langfristigem Ausgleich rechne, kann es natürlich auch sein, das ich ziemlich viel Glück in der Vergangenheit hatte. Das ist wohl relativ, wie so vieles. Das schöne an dem Bild: egal wie es zur Zeit ist, der status quo ist unmöglich und ein Richtungswechsel steht bevor. Der einzige Schwachpunkt: Abgesehen von dieser Gewissheit sind die einwirkenden Kräfte unbekannt. Wobei ich hier mal euren lieben Gott aus dem Spiel lassen möchte. Der bringt das reale Pendel ja auch nicht zum schwingen! Das sind wir. Und da das so ist, versuche ich mein Bestes, mein Pendel zum schwingen zu bringen, und zwar in meine bevorzugte positive Richtung.
Dummerweise kann ich ohne bekannte Rechengrößen leider die Zeit nicht bestimmen. Und von wegen langfristig; Zeit ist ja genau das, was mir fehlt.
Mit ziemlich einfachen Worten: Ich mach das Beste aus meiner Situation.
Und geh zum Pferdewetten;)

Ach ja, fast vergessen: Wecome to Down Under, Jan! Genieß die Sonne Australiens!

Sonntag, 21. November 2010

Cromwell, Central Otago

Habe festgestellt, das mein letzter Eintrag schon 11 Tage alt ist. So schnell vergeht die Zeit! Was übrigens mein Hauptproblem ist, aber dazu später.
Mein derzeitiger Aufenthaltsort ist Cromwell, wie man schon der Überschrift entnehmen kann. Ein Ort in Central Otago, dessen Umgebung auch "Heart of the Desert" genannt wird. Klingt nicht sehr einladend, ich weiß, aber dank künstlicher Bewässerung ist die Region mit dem sehr trockenen und im Sommer heißen Klima optimal für Obst- und Gemüseanbau, sowie hervorragende Weine geeignet. Die trockene fast baumlose Landschaft mit thymianbewachsenen Hügeln und Bergen erinnert mich zum Teil sehr an die spanische Mittelmeerküste. Auch die Temperaturen der ersten Woche, die bis zu 30°C erreichten, versetzten mich gedanklich ans Mittelmeer. Nach Feierabend habe ich mich dann mit der bevorzugten 2kg Packung Hokey Pokey Eiscreme in den Schatten gesetzt und relaxt.
Ich hatte relativ Glück und habe einen Job bei Grape Vision bekommen, einem Unternehmen mit ca. 100 Angestellten, das insgesammt 42 Weingüter bewirtschaftet. Ich bin jetzt also im Weinbusiness tätig. Hauptsächlich wird hier Pinot noir und zunehmend auch der voll im Trend liegende Pinot gris (Grauburgunder oder Pinot grigio) angebaut. Daneben auch Sauvignon blanc, Gewürztraminer und Riesling. Da die Weingüter in einem langen weiten Tal verteilt liegen, in dem der langgestreckte Lake Dunstan eingrahmt von zum Teil noch schneebedeckten Bergen liegt, kann ich wohl von einer schönen Arbeitsumgebung sprechen.
Die Bezahlung ist für die hiesigen Verhältnisse ganz ok, nach Steuern 12,56 $/h, und ich kann manchmal Überstunden machen sowie Samstags ein paar Stunden arbeiten. Obwohl ich erst 2 Wochen hier arbeite, habe ich schon verschiedene Tätigkeiten gehabt. Shoot-thinning, wobei nach bestimmten Regeln Triebe der Weinstöcke entfernt werden, um ein besseres Wachstum der Früchte zu erreichen, dann mein Traumjob Replanting, wo ich bei 30°C in der prallen Sonne Löcher in zum Teil sehr felsigen Untergrund gegraben habe, um anschließend die vom Frost oder anderen Ursachen abgestorbenen Weinstöcke durch das pflanzen neuer zu ersetzen, sowie Wirelifting, bei dem Drähte gespannt werden, um die jungen Triebe der Weinstöcke zu unterstützen und zu schützen. Der Wasserverbrauch bei diesen Tätigkeiten lag so im Schnitt bei 3 bis 4 Litern in 8-9 h. Aber ich will nicht meckern, ich mag den Sommer und das Wetter hier. Nur der Ort Cromwell selbst ist nach Feierabend nicht grade die Erlebnismetropole, wenn ihr wißt was ich meine.
Leider sind die (Über)Lebenshaltungskosten hier ziemlich hoch, da alles von weiter weg angekarrt werden muss und wir zur Zeit leider nicht in der Obst- und Gemüsesaison sind. Ich lebe nach wie vor in meinem kleinen Van, ähnlich wie in Te Puke auf einem Campingplatz, was aber völlig ok ist.
Bis auf die kriminellen Elemente hier. Letztes Wochenende habe ich mal ein paar Sachen gekauft, die in den Kühlschrank mussten. Da es mit der Sortiererei im Van etwas kompliziert ist, habe ich gleich meine ganzen Einkäufe in einer Kühltasche in den Gemeinschaftskühlschrank gestellt. Nicht unüblich hier. Außerdem hatte ich für das Wochenende einen Karton Bier gekauft, den ich ebenfalls dort lagerte. Am Sonntagmorgen war alles weg, inklusive Tasche. Und die Lebensmittel von Jakub, einem Tschechen ebenfalls. Ich war echt ziemlich getroffen, da der Verlust bei mir richtig ins Geld ging, was ja eigentlich nicht vorhanden ist. Und wüten waren wir beide. Zudem reagierte die Geschäftsleitung des Campingplatze gleichgültig.
Zusammen mit Harry, einem 50jährigen Australier, und Jakub machten wir also Pläne wie wir es dem Dieb heimzahlen oder wie wir ihn fassen könnten, falls er wieder kommt. Harry wollte sich dieses Wochenende mit seiner Luftpistole auf die Lauer legen, was aber letztendlich abgelehnt wurde. Keine Gewalt, außer wir ertappen ihn zufällig;-)
Alternativ haben wir beschlossen, den gestrigen Samstag zu nutzen, um ziemlich viel Bier zu trinken und das anschließende Ergebnis in unseren geleerten und wieder aufgefüllten Flaschen dem Dieb zu überlassen. Guter Plan, der zumindest letzte Nacht nicht aufgegangen ist. Die Flaschen sind noch da. Vielleicht nächste Nacht. Abgesehen vom Rachegedanken hat es echt viel Spaß gebracht gestern.
Ok, ich sehe, ich muss mich kürzer fassen, es wird wieder mal zu lang.
Also, ich versuche die Wochenenden zu nutzen, um wenigstens in der Umgebung ein paar Wanderungen zu machen. Zudem will ich die relativ nahe gelegenen Städte Queenstown und Wanaka besuchen.
Letztes Wochenende habe ich die nahen Bannockburn Sluicings besucht. Dazu muss man wissen, das das gesamte Gebiet vor der landwirtschaftlichen Nutzung Goldgräbergebiet war, was die Landschaft hier enorm geprägt hat. Es wurden ganze Hügel mit Wasserstrahlkanonen abgetragen, um das enthaltene Gold auszuspülen. Ein paar Bilder habe ich hier online gestellt. Sehr interessant, und irgendwie schön, auch wenn es sich um einen enormen menschlichen Eingriff in die Natur handelt. Der Duft von wildem Thymian war allgegenwärtig, die Temperaturen nahe 30°C und ich verstand die Bezeichnung Heart of the Desert nun gut.
Anschließend bin ich mit Harry und seiner Frau Lynn, die einen Metalldetektor besitzen, in den ausgewaschenen Wasserrinnen auf Goldsuche gegangen. Leider ohne Glück. Die Beiden sind übrigens super nette Leute, mit denen ich schon so einige Biere getrunken habe nach Feierabend. Und erfreulicherweise kann ich mein Englisch mit Native Speakern trainieren.
Dieses Wochenende haben Jakub, Harry und ich versucht ein paar Aale zu angeln und unsere Leinen über Nacht im Lake Dunstan ausgelegt. Die Köder, Stücke von Lammherzen, waren heute Morgen weg, aber kein Aal. Schade, die werden nämlich riesig hier.
Nächstes Wochenende ist übrigens ein Besuch beim lokalen Pferderennen geplant. Harry, der einige Erfahrung mit Pferdewetten hat, wird mir zeigen, wie ich ein paar Dollar verlieren kann und dabei Spaß habe. Hoffentlich. Und bei meinem ganzen persönlichen Pech in der Liebe habe ich vielleicht sogar Glück. Verdient hätte ichs. Und gebrauchen kann ichs auch! Denn neben meinem ganz persönlichen Kampf mit der Vergangenheit, von dem ja keiner hören will, habe ich ein bzw zwei sich gegenseitig bedingende Probleme. Ich habe ein Zeitproblem! Und ein Geldproblem! Wobei sich das Zeitproblem mit Lösung des Problems Nummer zwei auflösen würde. Und mit mehr Zeit würde sich Problem zwei lösen lassen, da ich mehr arbeiten könnte. Ihr seht, ein Dilemma. Wobei eine Verlängerung meines Aufenthaltes hier in Neuseeland in meiner neuen Singlesituation durchaus drin ist. Nur würde das wiederrum meinen Aufenthalt in Asien beschneiden. Und je später ich meinen Van verkaufe, desto weniger Geld werde ich bekommen, da die Preise mit dem heranrückenden Winter stark fallen.
Wenn ich weiter spekuliere, kann ich auch noch mit dem Gedanken spielen, ein Visum zu beantragen und ein paar Monate Australien dranzuhängen. Ihr seht, das sind die typischen Probleme eines Backpackers. Zeit, Geld und entscheiden wann wohin. Zum Einen will man immer weiter, zum Anderen vermisst man einige Sachen doch ziemlich.
Wünscht mir Glück beim Spiel! Wer wagt, gewinnt.

Donnerstag, 11. November 2010

Mt. Cook/Aoraki National Park und Lake Pukaki

Ok, besser spät als nie, hier mein Bericht vom viel zu kurzen Abstecher zum Mt. Cook.
Wie ihr vielleicht bemerkt habt, habe ich diesmal ungewöhnlich viele Bilder hochgeladen. Das lag zum Einen daran, das es mir diesmal besonders schwer gefallen ist, die richtigen Bilder auszuwählen, und zum Anderen daran, das ich einfach nicht weiß, wie ich euch sonst auch nur einen Hauch einer Vorstellung vermitteln kann, wie es wirklich ist.
Denn es war fantastisch! Ich hatte wunderbare Tage, an denen mir so bewußt wurde wie noch nie, warum ich überhaupt hier bin.
Nachdem sich Dan von mir in Christchurch verabschiedet hatte, habe ich zunächst weiter nach einem Job gesucht. Wie ja schon im letzten Post beschrieben, bin ich darauf hin in Richtung Region Otago gefahren. Und zwar mit einem Umweg über das Landesinnere zum Mt. Cook. Mein erstes Treffen mit den Südalpen stand also bevor. Ich war gespannt. Natürlich macht man sich so seine Vorstellungen, die dann hoffentlich nicht enttäuscht, sondern übertroffen werden.
Ihr habt ja keine Ahnung, und auch die Bilder geben zu wenig her, als das ihr eine entwickeln könntet. Was soll ich schreiben? Ihr müßt das selbst gesehen und erlebt haben! Vielleicht hatte ich auch besonderes Glück mit der Jahreszeit: Schnee auf den Bergen, noch nicht so viele Touristen unterwegs, geniales Wetter, es hat einfach alles gepaßt.
Zunächst habe ich am späten Nachmittag erste Eindrücke am Lake Tekapo genossen. Da ich mir aber vorgenommen hatte, am Lake Pukaki zu campen, um dann am nächsten Morgen direkt weiter zum 55km entfernten Mt. Cook zu fahren, bin ich wieder ins Auto und weiter. Die Strecke war gut ausgebaut, so dass ich schnell weiter kam. Als ich aber am Lake Pukaki ankam, war es schon ziemlich spät. Um genau zu sein, ich kam pünktlich zum Sonnenuntergang an. Ich sah einen abenteuerlichen Feldweg, den ich mir und dem Van grade noch zutraute und der zum See hinabführte. Durch Zufall hatte ich bei meinem ersten Versuch einen wirklich genialen Platz gefunden, keine Zivilisation weit und breit, ganz für mich alleine, direkt am Seeufer, mit Feuerstelle zwischen ein paar Birken, mit Blick auf die schneebedeckten Berge und natürlich auch Mt. Cook. Ich war begeistert und hungrig. Vor solch einer Kulisse einen Kaffee zu machen und gemütlich eine zu paffen, im Klappstuhl sitzen und den Sonnenuntergang beobachten. Geniale Momente des Lebens kann man hier sammeln.
Nachdem die Sonne verschwunden war und die vollständige Dunkelheit ohne Mond herrschte, konnte ich immernoch nicht schlafen. Dabei war ich so müde. Mir kamen die Tränen. Und nein, ich habe nicht geweint, ich bekam einfach die Augen nicht zu, weil dieser unglaublich helle Sternenhimmel so faszinierend war. Billionen von Sternen, unglaublich hell funkelnd, keine Wolke am Himmel, mich im Kreise drehend wurde mir langsam schwindelig. Der Wahnsinn kann auch ganz schön sein, dachte ich.
Noch lange lag ich wach und habe aus dem Fenster den Himmel angeschaut. Unvergesslich. Und leider nicht auf einem Bild fest zu halten. Zumindest nicht mit meiner Kamera:(
Die folgenden zwei Bilder entstanden am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang. In der Mitte des ersten Bildes wird der Gipfel des Mt. Cook als erstes angestrahlt, im Vordergrund der Lake Pukaki bei annähernd Windstille. Dies war die Aussicht von meinem Schlafplatz aus nach Norden. Auf dem zweiten Bild seht ihr die Aussicht nach Südwesten, allerdings etwas später am Morgen. Die Farbe des Wassers ist übrigens feinsten Gesteinspartikeln zu verdanken, die durch die mahlenden Gletscher entstanden. Sieht in echt noch viel schöner aus, je nach Sonneneinstrahlung türkis, oder blau-grau bis blau-grün.

An diesem Morgen bin ich zunächst zur Touristeninformation am Lake Pukaki, um mir die Wetterdaten für die kommenden zwei Tage zu besorgen. Und ich hatte Pech, bis 700m starke Schneefälle, besonders um Mt. Cook herum. Dazwischen Regen, besonders um Mt. Cook herum. Tja, der höchste Berg Neuseelands hat halt auch Nachteile, die Wolken bleiben dauernd hängen.
Kurzentschlossen änderte ich meine Pläne und fuhr mal eben 2,5 h nach Alexandra, um mich um meinen Job zu kümmern. Das wars also mit "ich will vermeiden, die gleiche Strecke zweimal zu fahren". Denn zurück kommen würde ich, das stand fest.
Wir hatten Donnerstag und ich hatte Glück. Ich bekam einen Job in Cromwell, Central Otago, vermittelt, den ich allerdings erst diesen Montag anfangen konnte. Wie verabredet, schrieb ich Dan eine SMS, das ich einen Job hatte und wo das sein würde. Er wollte mich ja mal besuchen. Als Antwort bekam ich, er sei jetzt am Lake Pukaki und würde da noch ein paar Tage bleiben um am Mt. Cook zu wandern. Da ich ja bis Montag nicht zu tun hatte, bin ich also spontan fast 3 h zurück zum Lake Pukaki gefahren, was mir schon ziemlich blöd vorkam. Letzten Endes aber eine der besten Entscheidungen, die ich bisher in Neuseeland getroffen habe.
Ich traf also nach nur wenigen Tagen erneut auf Dan. Was ein Spaß. Zusammen warteten wir auf gutes Wetter am Mt. Cook, um dort wandern zu gehen. Die Wettervorhersage für das Wochenende klang vielversprechend. Und das Wetter am südlichen Lake Pukaki war prima. In der Ferne war Mt. Cook allerdings im Regen verschwunden.
Freitags kaufte ich mir in Twizel eine 24h-Angellizenz, um meinen ersten Lachs oder zumindest eine der riesigen Forellen an Land zu ziehen. Den passenden Spinner habe ich mir natürlich auch besorgt. Angelpremiere in neuseeländischen Binnengewässern. Um ein Uhr fing ich an, hatte mir extra Tips geben lassen, wo die Chancen am besten stehen. Es wurde ein ziemlich langer Nachmittag, an dem ich mir nur einen Sonnenbrand einfing. Aber Angeln ist ja auch relaxen. Ich würde aber lügen, wenn ich leugne, ich wäre nicht enttäuscht gewesen. Dan, der später zu mir gestoßen war, hatte auch kein Glück. Was lief falsch?
Schließlich gab uns ein Local einen brandheißen Tip. Wir würden unser Fanglimit noch heute erreichen, versprach er uns um halb 8 abends. Die Fische wären an dieser Stelle aber nicht ganz so groß. Und wir sollten ein paar von seinen Shrimps als Köder mitnehmen! Hm! Ein Versuch war es wert. Den Ort des Versuchs seht ihr auf dem nächsten Bild. Die Aussicht war übrigens traumhaft, wie ihr seht.

Und hier seht ihr meinen ersten gefangenen Lachs, nicht groß, aber extrem lecker. Und der Typ hatte recht, unser Tageslimit erreichten wir in 45min. Ich angelte 6 Lachse, die 4 größten behielten wir zum Abendessen. Soviel Fisch hatte ich seit unserem Kahawai-Festessen in Kaikoura nicht mehr gegessen. Um es kurz zu machen, es gab am folgenden Morgen nochmal Lachs zum Frühstück und auch zum Mittagessen gab es ebenfalls frischen Lachs. Insgesamt habe ich 14 Lachse gefangen. Und es war fast so, als ob man in nem Fischteich angelt, viel zu schnell;)

Der Sonnenaufgang vor dem Angeln.

Als sich dann das Wetter wie vorhergesagt am Sonntag besserte, sind wir schnell zum Mt. Cook Nationalpark gefahren. Mir lief die Zeit davon. Am nächsten Tag sollte ich meinen neuen Job um 6.30h anfangen. Die Aussicht bei der Anfahrt war wirklich schön. Ich musste mich wirklich zurückhalten, nicht alle paar Kilometer anzuhalten und ein Foto zu machen. Nicht immer gelang das.
Als der Lake Pukaki in ein ebenes Tal endete, das von schneebedeckten Bergen flankiert wurde und an dessen Ende der Mt. Cook nur auf uns zu warten schien, wuchs die Vorfreude.
Angekommen im Mt. Cook Village sind wir zum Information Center vom DOC gegangen. Die empfahlen uns den Sealy Tarns Track, ein extrem steiler Aufstieg zu einem kleinen See, ca. 3,5h inkl. Rückweg, von dem man besonders tolle Aussichten hat. Und es hat sich sowas von gelohnt, wie ihr auf den nächsten Bildern hoffentlich sehen könnt. Leider fehlen mir die Adjektive, um dieses Erlebnis zu beschreiben. Die Beschreibung würde sowieso nur in Superlativen enden, also nehmt es bitte einfach so hin. Dan und ich wollten gar nicht mehr zurück. Und obwohl wir uns wirklich Zeit für Fotos und Genuß ließen, schafften wir den Track in 2h. Das war auch mal ne sportlich Leistung. Wobei ich jede Zigarette meines Lebens verflucht habe. Natürlich bin ich wieder mal Nichtraucher im Moment;)


Im Hintergrund der Hookergletscher und Mt. Cook. Im Vordergrund eine Moräne des Mueller Gletschers und der Gletschersee.
Sealy Tarns Lake, wohl eher ein Tümpel, aber eben ein Tümpel mit ner atemberaubenden Lage. Links im Bild der eindrucksvoll vereiste "The Footstool", Motiv unzähliger Fotos von mir.
Mt. Cook und der Hooker Gletscher mit Gletschersee. Der Schneefall der letzten Tage läßt den Gipfel sehr eindrucksvoll glitzern.
Die andere Richtung der Aussicht ins Hooker Valley, mit Mt. Cook Village rechts im Bild. Irgendwo links unten stehen unsere Vans.
Nach dem Abstieg hat die Zeit noch für eine eiskalte Dusche und den Besuch des Tasman Gletschers gereicht. Der Sonnenuntergang rückte schnell näher, wie man sieht. Die Eisberge bzw Abbrüche im Gletschersee waren schon irgendwie besonders. Und die riesigen Schutthalden der Moränen gaben der Landschaft ein bizarres unwirkliches Erscheinen. Faszinierend, so ein Gletscher, auch wenn von der eigentlichen Gletscherzunge außer Schlamm fast nichts zu sehen ist.
Zum Sonnenuntergang sind wir dann schnell zurück zum Mt. Cook Village. Den Anblick des Mt. Cook in der Abendsonne wollten wir uns nicht entgehen lassen. Gefeiert haben wir unseren erneuten Abschied in der Bar des berühmten Heritage Hotels mit einem Monteith`s und der Aussicht auf den Mt. Cook.
Auf dem Weg zum Hotel sind uns völlig unerwartet die ersten Kea`s begegnet. Diese sehr neugierigen Bergpapageien sind wirklich interessante Vögel, die aber ebenfalls so ziemlich alles interessant finden. Scheu waren sie zumindest nicht. Wir fühlten uns mindestens genauso beobachtet.
Wenn man so den Gipfel betrachtet, kann man nachvollziehen, warum die Maori den Berg als ihren Gott Aoraki verehren. Ehrfurchtgebietend ist wohl der treffendste Ausdruck. Die Menschen, die wir bei diesem Schauspiel des Sonnenuntergangs trafen, waren ausschließlich still.

Das abschließende Monteith`s in der Hotelbar. Die Aussicht auf den orangeroten Gipfel des Mt. Cook war unbeschreiblich schön. So müßte jeder Tag enden.
Ich hatte leider noch 2,5 h Fahrt in völliger Dunkelheit vor mir. Und eine ziemlich kurze Nacht.
Mehr im nächsten Post. Das entwickelt sich sonst zum Roman. Verzeihung.

Mittwoch, 3. November 2010

Ich geb auf

Ok, klingt vielleicht etwas zu dramatisch, aber zumindest die Jobsuche in Christchurch gebe ich auf. Mit ein wenig Erfahrung als Bartender oder als Koch hätte ich schon einige Jobs haben können, aber so fehlt mir halt immer die entscheidende Qualifikation. Da hilft auch kein Einserdiplom;(
Hatte mich schon so auf das Leben hier in der Stadt gefreut, surfen, rausgehen, guten Kaffee trinken, endlich mal mein Englisch durch vermehrte Konversation mit Native Speakern aufbessern, neue Erfahrungen halt... aber Pustekuchen! Bin schon etwas gefrustet. Aber ich schaue nach vorne, bzw. nach Süden, denn da gehts jetzt hin. Weiter Richtung Region Otago mit den Städten Dunedin und Alexandra und hoffentlich mehr Arbeit. Und da ich meine Wege ungern zweimal fahre, werde ich auf dem Hinweg beim Mt. Cook vorbei schauen, schöne Bilder machen und wandern. Das kostet immerhin noch kein Geld. Abgesehen davon: Ein Hoch auf die Kreditkarte und ihren Erfinder. Muss das natürlich mit meinem nächsten Job alles wieder reinholen, aber was soll ich machen. So bleibt ein kleiner Schatten auf den Erlebnissen meiner nächsten Tagen, den ich versuche abzuschütteln. Das Pendel schwingt hoffentlich bald wieder in die positive Richtung. Nach der ganzen Sch.... habe ich ein wenig Glück verdient, finde ich. Drückt mir die Daumen, alle vier, wie mein Vater immer sagt;)

Montag, 1. November 2010

Arbeitssuche in Christchurch

Ich bin schon schon ein paar Tage in Christchurch, da ich im schönen Kaikoura kein Glück bei der Jobsuche hatte. Da ich davon ausging, das nach dem Erdbeben und den dadurch verursachten Zerstörungen in Christchurch jede Menge Arbeit zu finden ist, fuhr ich also weiter nach Christchurch. Leider hat Christchurch nicht auf Maik gewartet! Die Jobsuche in Christchurch, der größten Stadt auf der Südinsel, stellt sich als unerwartet schwierig heraus. Seit meiner Ankunft war ich beim Arbeitsamt, privaten Arbeitsvermittlungen und habe in Bars und Restaurants nachgefragt. Ich warte zwar immernoch auf einige Rückrufe, aber große Hoffnungen mache ich mir nicht. Werde gleich mit Cafés anfangen und die verbliebenen Bars/Clubs und Restaurants abklappern. Obwohl ich einen Job am Bau bevorzugen würde, da es dort mehr Geld gibt. Aber wählerisch zu sein kann ich mir nicht leisten, wenn ich so auf meinen Kontostand schaue. Und dann ging mein letztes Geld auch noch für ein "Knöllchen" wegen falsch parken drauf, direkt mal 60$. Und das wärend der Arbeitssuche! Neu gelernt: Parken auf gestrichelter gelber Linie (war keine Bushaltestelle) ist verboten!
Ok, genug gejammert. Nun zu den schönen Seiten Christchurchs, die ich ja auch sehen muss. Zuerst mal habe ich schon einige Tage richtig schönes Wetter, das die Laune wieder hebt. Internet ist in den Bibliotheken umsonst und ich kann von der wohl besten Lage einer Bibliothek berichten, die mir bekannt ist. Allerdings hätte ich mein Diplom heute noch nicht, wenn ich in einer solchen Bib studiert hätte. Sie liegt direkt am Strand, ultramodernes Gebäude mit Panoramafenstern und Aussicht aufs Meer und den Christchurch Pier. Man kann in bequemen Sesseln die Aussicht auf den Christchurch Pier genießen, Musik an vorinstallierten Stationen hören und die Surfer beobachten, die links und rechts vom Pier ihren Spaß haben. Einfach nur genial. Übrigens ist das Pier 300m lang, so das man die Surfer aus wirklich gleicher Höhe beobachten kann. Dabei kommt man natürlich nicht an tollen Fotos vorbei. Leider habe ich meine Kamera im Auto vergessen, so dass ich die Bilder zu Christchurch später hochladen werde.
Die Möglichkeit endlich mal wieder surfen zu können, macht Christchurch natürlich um einiges sympatischer. Auch wenn ich dafür wieder mal Geld brauche. Mein erster Surf hier muss also warten.
Die Stadt selber ist abgesehen von den Erdbebenschäden eigentlich ganz schön. Für Neuseeland gibts hier eher untypisch viele alte Gebäude nach englischem Stil (verzeiht meine unpräziese Formulierung, aber ihr werdet sehen), einen schönen Botanischer Garten, alle Geschäfte, die man sich so wünschen kann. Es ist halt eine richtige Großstadt, die ziemlich europäisch daher kommt.
Um ein wenig Frust abzubauen, haben Dan und ich uns am Wochenende in das Nachtleben mit zahllosen Halloweenparties gestürzt. Dabei waren wir wahrscheinlich in so ziemlich jedem Club in der Innenstadt. Die Clubs sind zum Teil ganz nett aufgemacht und auch nicht sooo teuer. Aber negativ ist mir die Musik aufgefallen. Die DJ`s spielen hier überall die gleiche Art von Musik, und die war leider nicht mein Geschmack. Mit viel viel Alkohol ist es wahrscheinlich ok, aber so sind wir von Club zu Club gezogen. Ich nehme an, wenn hier jemand mal nen Club aufmacht, der individuelle Musik spielt oder vielleicht einen anständigen DJ einstellt, kann er gut Geld machen. Vielleicht haben die Kiwis aber auch einfach einen anderen, immer gleichförmigen Geschmack was Musik und Clubs angeht!? Zumindest war echt die Hölle (es war ja Halloween;) los, so viele Leute zum Party machen habe ich seit Karneval in Köln nicht mehr gesehen. Und ich weiß ja nicht, wie die Mode in Deutschland zur Zeit ist, aber die Girls hier trauen sich was! Ich kann wohl sagen, trotz mieser Musik war der Abend garnicht so schlecht. Hoffen wir, es wird nicht mein letzter Abend hier gewesen sein.